Dach- und Mauerwerkssanierung
1. Bauabschnitt in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kemnitz abgeschlossen
Inmitten der idyllischen vorpommerschen Landschaft, nur wenige Kilometer von der Hansestadt Greifswald entfernt, liegt die Gemeinde Kemnitz. Der Name leitet sich vom slawischen „Kaminitz“ ab, was so viel wie „Steinbach“ bedeutet – ein Hinweis auf den durch das Dorf fließenden Hanshäger Bach. Kemnitz nicht nur für seine reetgedeckten Häuser bekannt, sondern auch für die Heilig-Kreuz-Kirche.
Die Sanierung
Die Bausubstanz der Kirche war zuletzt massiv bedroht. Der erste Bauabschnitt konnte Ende des letzten Jahres erfolgreich abgeschlossen werden. Im Fokus stand dabei die Dach- und Mauerwerkssanierung von Kirchenschiff und Sakristei. Besonders alarmierend war der Fund des Echten Hausschwamms, weite Teile der Holzkonstruktion und des angrenzenden Mauerwerks waren bereits befallen. Mit großer Sorgfalt wurden die beschädigten Balkenköpfe und Sparrenfüße denkmalgerecht instandgesetzt, wobei darauf geachtet wurde, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten.
Das Kirchenschiff wurde mit einer neuen Biberschwanz-Doppeldeckung in Mörtelverlegung gedeckt, die künftig das Eindringen von Schnee verhindert. In den Nord- und Südwänden wurden die Risse verpresst und verwitterte Ziegelsteine ersetzt. Die Giebelkronen und die Fialtürme wurden statisch ertüchtigt. Auch das geschwungene Giebeldreieck der Sakristei wurde umfassend saniert.
Unterstützung durch die Stiftung KiBa
Ein solches Sanierungsvorhaben ist für eine Kirchengemeinde allein kaum zu stemmen, immerhin waren 350.000 Euro veranschlagt. Die Stiftung KiBa hatte bereits 2022 15.000 Euro Fördergelder bereitgestellt – und damit einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt dieser einzigartigen Kirche geleistet. Zusammen mit anderen Geldgebern und nicht zuletzt der fachmännischen Arbeit der beteiligten Gewerke konnte die Heilig-Kreuz-Kirche gesichert werden und bleibt als wichtige Station auf der „Route der Norddeutschen Romantik“ erhalten.

Vorzustand: schadhafte Dachdeckung im Mai 2022

Juni 2022: Gesamtansicht vor der Sanierung

Begutachtung der Balkenköpfe und Sparrenfüße im Dachstuhl

Dachdeckerarbeiten im März 2025

Die neue Biberschwanz-Doppeldeckung verhindert das Eindringen von Nässe
Im Wandel der Jahrhunderte
Die Geschichte der Heilig-Kreuz-Kirche ist eng mit dem Kloster Eldena verknüpft, unter dessen Patronat sie um 1300 als dreischiffige, sechsjochige Hallenkirche aus Backstein errichtet wurde. Im Dreißigjährigen Krieg wurden Kemnitz und seine Kirche 1637 geplündert und schwer beschädigt – der Dachstuhl brannte, das Gewölbe stürzte ein.
1645 begann die Gemeinde, ihre Kirche in vereinfachter Form wieder aufzubauen. Aus der einstigen Basilika wurde nun eine Saalkirche: Man trug das gesamte nördliche Seitenschiff ab und zog das Satteldach auf der Südseite weit hinunter, sodass es nun auch das verbliebene Mittelschiff und die südliche Vorhalle gemeinsam überdeckte. Deswegen gibt es heute zwei unterschiedlichen Fassaden: Die Nordseite mit hohen gotischen Fenster zwischen kräftigen Strebepfeilern und vermittelt den Eindruck einer großen Stadtkirche, während die Südseite mit ihrer tief herabgezogenen Dachtraufe eher wie eine typische pommersche Dorfkirche wirkt.
1743 erfolgte unter der Leitung von Andreas Mayer eine umfassende Instandsetzung, bei der das Gotteshaus sein heutiges, charakteristisches Erscheinungsbild mit dem flachen Kreuzgewölbe über Schiff und Chor erhalten hat.
Besonders markant ist der neugotische Westturm, der 1841 bis 1842 nach Plänen des Architekten C. A. P. Menzel errichtet wurde. Die Schallöffnungen der Glockenstube sind als gekuppelte Spitzbogenfenster in Blenden gestaltet, hier hängt eine einzelne Glocke von 1819. Der schiefergedeckte achtseitige Turmhelm endet in einer Kugel mit Kreuz. Vier kleine Fialtürme sind an den Ecken gruppiert und knüpfen an hochgotische Formgebungen. Sehenswert ist auch der Ostgiebel mit seiner großen Blende, in der ein Zitat aus einer Kantate von Johann Sebastian Bach zu lesen ist: „Gott ist unsere Zuversicht“ (BWV 197).
Der barocke Kanzelaltar im Inneren ist farblich in Weiß-, Blau- und Goldtönen gefasst und symbolisiert anschaulich das lutherische Prinzip der Einheit von Wort und Sakrament unter einem Dach. Im Westen und Süden ziehen sich zwei hölzerne Emporen aus dem späten 18. Jhd. entlang der Wände. Ihre Brüstungsfelder sind mit dekorativen Malereien versehen – darunter finden sich Bibelverse wie „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat“ (Psalm 103,2).
Die Orgel wurde 1855 vom Stralsunder Orgelbauer Johann Friedrich Nerlich geschaffen. Das Instrument verfügt über einen klassizistisch-gotischen Prospekt mit spitzbogenverzierten Pfeifenfeldern. 1885 baute Friedrich Albert Mehmel (ebenfalls aus Stralsund) die Orgel um, 1963 erfolgte eine technische Erneuerung durch die Firma Sauer aus Frankfurt/Oder.
Aus mittelalterlicher Zeit ist eine große Grabplatte aus Kalkstein von 1368 erhalten. An der Chorwand hängt das Fragment eines hölzernen Gemäldes aus dem frühen 17. Jhd., das Christus und Petrus zeigt. Eine schlichte Taufe aus Zinn sowie historische Gedenktafeln sind im Turmraum zu finden.