Keine Chance für den Hausschwamm
Dachinstandsetzung in St. Martin Ahlsdorf in Sachsen-Anhalt
Die kleine Gemeinde im Herzen des Mansfelder Landes mag mit knapp fünf Quadratkilometern flächenmäßig die kleinste Gemeinde Sachsen-Anhalts sein, doch ihre Geschichte und ihre architektonischen Schätze reichen weit zurück. Da ist zum Beispiel die schmucke St. Martinskirche, ein faszinierendes spätgotisches Gotteshaus, dessen Dach mit Hilfe der Stiftung KiBa instandgesetzt werden konnte.
Die Kirchengemeinde Ahlsdorf zählt weniger als hundert Mitglieder. Seit 2004 bildet sie zusammen mit fünf weiteren Gemeinen einen Pfarrbereich und wird vom Pfarramt Helbra betreut. Die Gemeinde ist sehr engagiert, verknüpft kirchliche Höhepunkte erfolgreich mit dem kommunalen Gemeindeleben und arbeitet konstruktiv mit der örtlichen Feuerwehr, dem Reitverein und der Kindertagesstätte zusammen. Trotz unermüdlicher Pflege sah sich das historische Bauwerk massiven strukturellen Problemen gegenüber.
Der Kampf gegen den Echten Hausschwamm
Die Dachhaut des Kirchenschiffes, bestehend aus desolaten Betondachsteinen, war undicht geworden. Regelmäßig drang bei Unwettern Wasser ein und bedrohte die Stabilität der Dachkonstruktion. Die gravierendste Sorge war der Verdacht auf den Echten Hausschwamm, einen holzzerstörenden Pilz, dessen Ausbreitung durch Feuchtigkeit begünstigt wird.
Die Kirchengemeinde ging die Sanierung in mehreren Abschnitten an. Bereits 2018 wurde eine so genannte Geländeregulierung zur Reduzierung der Feuchtigkeit im Mauerwerk durchgeführt und der Sockel instandgesetzt. Drei Jahre später konnten das Turmdach und ein Teilabschnitt der Kirchenschiffdachs in eine Biberschwanz-Doppeldeckung neu gedeckt werden. Jetzt ist mit der vollständigen Dachinstandsetzung des Kirchenschiffes auch der dritte und letzte Bauabschnitt erfolgreich abgeschlossen. Das war auch dringend notwendig, denn die Schäden waren weiter fortgeschritten.
Aus Eigenmitteln hätte die Kirchengemeinde die Arbeiten niemals allein stemmen können. Eine ganze Reihe von Geldgebern, wie das Land Sachsen-Anhalt, die Lotto-Toto GmbH und nicht zuletzt die Stiftung KiBa haben zusammen mit weiteren Unterstützern die Finanzierung schlussendlich möglich gemacht.
Die Maßnahmen umfassten umfangreiche Zimmerer- und Maurerarbeiten, wie die Instandsetzung der Dachkonstruktion und der Mauerkronen, sowie die Beseitigung von Feuchtigkeitsschäden. Erfreulicherweise stellte sich heraus, dass die Schäden an der Dachkonstruktion im Mauerkronenbereich geringer waren als befürchtet.
Dadurch wurden finanzielle Mittel frei und konnten für zusätzliche dring notwendige Maßnahmen verwendet waren, die ursprünglich aus Kostengründen nicht eingeplant waren. So konnten die Fenstergewände instandgesetzt und die Bleiverglasung der Chorfenster ausgebessert werden. Am Ende konnte die einmalige Bausubstanz von St. Martin nachhaltig geschützt werden: Die Kirche bleibt somit ein lebendiger und gesicherter Ankerpunkt in der kleinsten Gemeinde Sachsen-Anhalts.

Ansicht von Nord-Ost vor Baubeginn

Ansicht von Süden vor Baubeginn

Ansicht von Nord-West mit fertiggestelltem Gerüst

Ansicht von Süden bei Baubeginn

Holzschaden: Detail der äußeren Traufe

Holzschaden: Instandsetzung der äußeren Traufe

Innenansicht Altar

Innenansicht nach Westen auf die Orgelempore
Wunderbare Kirche im östlichen Harz-Vorland
Der älteste Teil von St. Martin ist der große, wuchtige Westturm. Er stammt wahrscheinlich von einem Vorgängerbau und wurde bereits um 1550 als Wehrturm errichtet. Im Zuge einer umfassenden Umgestaltung der Kirche im Jahr 1852 bekam er ein Walmdach. Seine Schallöffnungen sind mit hellem Sandstein und sogenannten Vorhangbögen verziert.
Das neugotische Kirchenschiff wurde 1852 an den alten Turm angebaut. Es ist ein schlichter Bruchsteinbau mit Satteldach und schließt im Osten mit einem dreiseitigen Chorabschluss ab. Man betritt die Kirche durch ein im Turm integriertes neugotisches Portal. Das Innere des Schiffs ist von einer flachen Holzdecke überspannt.
Innere Werte
Das Herzstück der Ausstattung ist der spätgotische Schnitzaltar, der 1979 restauriert wurde. Die zentrale Darstellung zeigt die Segnung der gekrönten Maria über zwei Engeln, die das Schweißtuch (das Sudarium) halten. Dargestellt sind der Heilige Antonius und der Evangelist Johannes (rechts) sowie die Heilige Martin und der Apostel Andreas (links). Auf den Innenseiten der Altarflügel sind die Heiligen Kathrina, Laurentius, Margareta, Michael, Anna uns Sebastian abgebildet.
Die Hufeisenempore, die Orgel und die bauzeitliche Bestuhlung prägen das Erscheinungsbild. Die Orgel mit zehn Registern ist ein Werk von Nikolaus Schrickel und wurde 2017 restauriert.
In der Vorhalle des Turmerdgeschosses liegt der Grabstein von Heinrich von Drachdorf aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. An der Nordseite des Kirchenschiffes findet sich zudem eine frühgotische Schnitzfigur des Heiligen Martin zu Pferde.