Claudia Meitert
Claudia Meitert

Die Oberflächendurchblickerin

Claudia Meitert zeichnet alles und zu jedem Thema und gibt hochkomplexen Themen eine verstehbare Anschauung

Claudia Meitert zeichnet alles und zu jedem Thema. Ihre Stärke besteht darin, hochkomplexen Themen eine verstehbare Anschauung zu geben. Als Illustratorin kreiert sie Bilder für den Gebrauch. Doch sie verfolgt auch einen künstlerischen Anspruch dabei. Eine Skizze aus Regensburg.

Ein Apfel sieht aus wie ein Apfel, wenn Claudia Meitert ihn zeichnet. Wie frisch vom Baum oder wie ein nach Zimt duftender Winter-Bratapfel, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft, oder auch wie von einem Kind mit Wasserfarben gemalt. Immer wird der Apfel genau so, wie die Illustratorin das will. Denn das ist ihr Beruf und daran hat sie sozusagen lebenslang gefeilt. Wissenschaftlich heißt diese Fähigkeit „Auge-Hand-Koordination“. Doch der nüchterne Begriff beschreibt nicht im Mindesten, was alles passiert, bevor die Hand zur Tat schreiten darf.

Im Kopf der 40-Jährigen sind Bibliotheken von Techniken, Magazine mit Stoffproben und Materialien abgelegt, dazu Lebenserinnerungen, gesammelt in der Natur ebenso wie im Business der Werbeagenturen und die Abenteuer einer mit Leidenschaft Reisenden. Aus all dem wählt sie, wie in einer virtuellen Künstlerbedarfshandlung, was zum Bild, das entstehen soll, passt. Teils scharf reflektiert, teils unbewusst. Darum zählt ihr Beruf der selbstständigen Illustratorin auch zur Gruppe der „Kreativen“. Über das damit in manchen Köpfen verbundene Image muss die bodenständige Frau lachen: „Das wäre schön, abzuwarten bis die Muse vorbeikommt. Tatsächlich bin ich über lange Zeiten mit E-Mails und Angeboten beschäftigt.“ Daher klingelt der Wecker wie bei anderen Erwerbstätigen morgens um sechs Uhr. „Um acht bin ich hellwach und es kann losgehen.“ Wobei das, was losgeht, kaum bis zum Abend vorhersehbar ist. „Manchmal kommen Anfragen mit einer Deadline von ein paar Stunden.“ Inzwischen kann Claudia Meitert frei entscheiden, was sie annimmt, doch der Anfang – Los aller Selbstständigen – war hart. „Nach meinem Start 2012 habe ich drei Jahre lang fast nur gearbeitet.“

Inzwischen nimmt sie das, was heute Work-Life-Balance heißt, ernster. „Nicht ganz einfach“, gesteht die sportliche Frau, „ich muss das Handy ausmachen, dann ist es gut. Das ist meine Nabelschnur zur Welt.“ Die Lässigkeit, mit der sie durch ihre Wahlheimat Regensburg schlendert und in ihrem weichen, von ihrer oberpfälzischen Herkunft gefärbten Zungenschlag spricht, lassen ahnen: Hier ist sie richtig und nicht in den In-Vierteln der großen Medienstädte. Sie liebt Herausforderungen. Auch vor großen religiösen Themen hat die Oberpfälzerin keine Scheu: „Ich glaube, ich bin ganz gut darin, hochkomplexen Sachverhalten oder abstrakten Gedanken eine begreifbare Anschaulichkeit zu geben.“

Gibt es einen signifikanten „Claudia-Meitert-Stil“, eine unverwechselbare Handschrift? „Ich freue mich bei Aufträgen über genaue Vorstellungen, was gemacht werden soll. Das umzusetzen, ist die Kunst der Illustratorin“, erklärt sie. Für chrismon, die evangelische Zeitschrift, erstellt sie oft Porträts von Menschen, die etwas in oder über die Kirche zu sagen haben. „Meine Vorlagen müssen dafür scharf sein und ich muss die Augen gut sehen. Die Augen sind am wichtigsten im Gesicht.“ Ihre eigenen haben die Farbe von Bernstein und beobachten die Welt mit entspannter Neugier. Die meisten ihrer Illustrationen sind zu den Rändern hin offen, laden ein, weiter zu fantasieren. Eine Welt, die nicht abgeschlossen und fertig ist, das ist ja auch ein Stil.

Von Thomas Rheindorf

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