Dorfkirche Fermerswalde (Brandenburg)
Dorfkirche Fermerswalde (Brandenburg)

Vom Dach bis zur Fassade

Dorfkirche Fermerswalde schließt 2. Bauabschnitt erfolgreich ab

Im Elbe-Elster-Tiefland, wo Brandenburg auf Sachsen und Sachsen-Anhalt stößt, liegt Fermerswalde, ein Ortsteil von Herzberg (Elster). Knapp 200 Einwohner hat der kleine Ort. Und eine beeindruckende Dorfkirche, die seit 2023 umfangreich saniert wird. Ein wichtiger Meilenstein wurde jetzt dabei erreicht.

Rettung der Außenhülle

Der 2. Bauabschnitt umfasste die Sanierung der Außenfassade und des Außenmauerwerks. Hier lag vieles im Argen, der da der bauliche Verfall der Außenhülle war in den letzten Jahren weit fortgeschritten. Die Hauptschäden betrafen die Außenlängswände des Kirchenschiffes, insbesondere die Nordwand. Es hatten sich erhebliche Risse im Mauerwerk gebildet und der Putz war großflächig abgeplatzt. Auf der Nordseite war die Wand sogar stark nach außen gewölbt! Aber auch der äußere Sockelbereich war beschädigt – die einst fehlende Dachentwässerung hatte massiv Feuchtigkeit eindringen lassen.

Die Wände der Fermerswalder Kirche sind als Mischmauerwerk ausgeführt: Feld- und Raseneisensteine bilden den Hauptanteil, die Zwischenräume sind mit Backsteinen verfüllt. „Backsteinzwickelung“ nennt das der Fachmann, diese Bauweise bringt mehr Stabilität und ein gleichmäßiges Fugenbild und ist typisch für spätmittelalterliche Kirchbauten aus dem 13.-15. Jhd.

Um die Risse im Außenmauerwerk dauerhaft zu stabilisieren, wurde eine sogenannte Rissevernadelung angewendet. Dabei werden Anker oder Stäben über die Risse hinweg gesetzt, oft kombiniert man das mit dem Einspritzen von Mörtel in die Risse, um die strukturelle Integrität wiederherzustellen. Der Sockel am Kirchenschiff und Chor wurde saniert und das Fundament teilweise ertüchtigt. Am Ende wurde der Altputz vollständig entfernt und die Außenwände von Kirchenschiff und Chor neu verputzt.

Schäden am Sockel der Nordfassade

Schäden am Sockel der Nordfassade

Putz- und Mauerwerksschäden unterhalb der Fenster

Putz- und Mauerwerksschäden unterhalb der Fenster

Die Nordfassade vor der Sanierung

Die Nordfassade vor der Sanierung

Kurz vor Weihnachten 2022

Kurz vor Weihnachten 2022

Die Dorfkirche im September 2025

Die Dorfkirche im September 2025

Oktober 2025: 2. Bauabschnitt erfolgreich abgeschlossen

Oktober 2025: 2. Bauabschnitt erfolgreich abgeschlossen

Oktober 2025: 2. Bauabschnitt erfolgreich abgeschlossen

Oktober 2025: 2. Bauabschnitt erfolgreich abgeschlossen

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Die leidvolle Geschichte des Turms

Auch der Kirchturm wurde berücksichtigt: Die Fachwerkkonstruktion wurde repariert und die Wände und das Fachwerk erhielten einen neuen Anstrich. Die leidvolle Geschichte des Turm könnte ein eigenes Kapitel füllen:

  • Ein erster Fachwerkturm wurde 1733 neu errichtet. Der war aber so schlecht gebaut, dass er schon 1753 die Glocken nicht mehr tragen konnte. Ein Neubau fand erst 1771 statt.
  • 1932 musste der Turm abgebrochen werden, da er größtenteils morsch war und einzustürzen drohte. Stattdessen baute man im Zeitstil der 1930er Jahre einen massiven Rechteckturm mit flacher Haube. Das kam nur bedingt an: die Gemeinde empfand den modernen Neubau als Fremdkörper.
  • Am 8. Juni 1953 schlug ein Blitz in die Kirche ein und besiegelte das Schicksal des Turms: er brannte völlig aus, auch der Dachstuhl des Kirchenschiffs wurde zerstört. Ein Jahr später errichtete man auf Betreiben des Instituts für Denkmalpflege eine neuen Turm nach dem Vorbild des barocken Turmes von 1771. Seitdem befindet sich ein Fachwerk-Oktogon auf dem quadratischen Stumpf, das von einer Schweifhaube und Laterne bekrönt ist.

Ein Blick in Geschichte und Architektur

Ursprünglich als Filialkirche des nahe gelegenen Beyern (heute ein Ortsteil von Falkenberg) gegründet ist die Dorfkirche Fermerswalde ein Bauwerk mit tiefen mittelalterlichen Wurzeln. Die genaue Bauzeit ist urkundlich zwar nicht belegt, man geht aber von einem Baubeginn zu Anfang des 14. Jhds. aus, wobei manche Quellen das Gotteshaus aber auch erst später auf das 14./15. Jhd. datieren.

Architektonisch ist die Kirche nicht alltäglich: Sie besitzt ein Kirchenschiff mit einem auffallend langen, deutlich eingezogenen Chor.  Im Inneren trennt ein runder Triumphbogen die beiden Bereiche voneinander ab. Die Ausstattung umfasst unter anderem eine kelchförmige Sandsteintaufe von 1524 sowie ein gut erhaltenes Epitaph für Hedwig von Falck aus dem Jahr 1542. Fragmente eines alten Altarretabels aus dem 17. Jh. sind noch vorhanden.

Die Orgel aus dem Jahr 1909 der Firma Fleischer und Kindermann ist infolge eines Löschwasserschadens von 1953 leider nicht bespielbar.

Standort der Gemeinschaft

Die Kirche ist schon lange mehr als nur ein Gottesdienstort, sondern bildet einen kulturellen Anker für die gesamte Dorfgemeinschaft. Die Gemeinde ist aktiv bei der Konzertreihe „Musikschulen öffnen Kirchen“, um den Kirchenraum aktiv für Kultur zu nutzen. Sie wird als Offene Kirche geführt und ist ein beliebtes Ziel am Radweg Nr. 13 der Mitteldeutschen Kirchenstraße.

Weil die Kirchengemeinde nur über sehr begrenzte Eigenmittel verfügt, lebt sie vor allem vom großen Engagement der Dorfbewohner. Die Gemeinschaft erbringt seit Jahren zahlreiche Eigenleistungen – von laufenden Mäh- und Pflegearbeiten auf dem ehemaligen Friedhof bis hin zu Hilfsarbeiten bei der Sanierung. Bei der Finanzierung der jüngsten Bauabschnitte trugen Spenden und gemeinsame Veranstaltungen, wie ein vom Gemeindekirchenrat organisiertes Benefizkonzert, sowie der Kultur- und Heimatverein und der Ortsbeirat, maßgeblich bei. Die Stiftung KiBa hat die beiden Bauabschnitte ebenfalls gefördert und ist auch 2026 wieder mit von der Partie.