Dorfkirche Deetz (Sachsen-Anhalt)
Dorfkirche Deetz (Sachsen-Anhalt)

Ein Dorf packt an

Die Dorfkirche Deetz strahlt wieder von innen

Die Freude in Deetz (Sachsen-Anhalt) ist groß: Der erste Bauabschnitt zur Instandsetzung des Innenraums der Dorfkirche wurde erfolgreich abgeschlossen. Dass dieses Projekt etwas Besonderes ist, zeigt nicht nur das enorme Engagement der Dorfbewohner, sondern auch die Anerkennung von außen: Deetz gewann 2025 die Publikumsabstimmung zur „Kirche des Jahres“.

Wenn der Boden nachgibt

Der Zustand im Inneren der im 13. Jahrhundert errichteten Kirche war höchst besorgniserregend. Der Dielenboden im Schiff war einbruchgefährdet, und auch der Zementplattenboden im Chor war nicht mehr sicher.

Zudem machten Feuchtigkeitsschäden der Kirche schwer zu schaffen: An den Wänden zeigten sich Abplatzungen und sogenannte Salzausblühungen – kristalline Ablagerungen, die entstehen, wenn Feuchtigkeit Salze aus dem Mauerwerk an die Oberfläche transportiert.

Die Sanierungsmaßnahmen

Die alten, versiegelnden Beläge wurden vollständig entfernt, stattdessen erhielten Schiff und Chor einen neuen Boden aus roten und ockerfarbenen Ziegelplatten. Durch die Verlegung mit Kalkmörtel nach historischem Vorbild kann der Boden nun wieder „atmen“. Das vermindert langfristig den Feuchtigkeitstransport in die Wände.

Auch der alte Altarblock wies konstruktive Mängel auf. Jetzt steht hier eine moderne Konstruktion mit einer massiven Eichenholzplatte. Das Kirchengestühl wurde nicht nur instandgesetzt, sondern auch flexibler gestaltet: die Bänke können nun je nach Anlass neu ausgerichtet werden. Auch die Treppe zur Empore wurde repariert und die Brüstungen auf die heute vorgeschriebene Sicherheitshöhe erhöht. Die gesamte Elektrik und die Beleuchtung wurden erneuert, zeitgemäße Glaspendelleuchten tauchen jetzt den Innenraum in dimmbares, warmes Licht.

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Das Mammutprojekt war nur durch die tatkräftige Hilfe der Menschen in Deetz möglich, die in zahlreichen Arbeitseinsätzen das Gestühl ausgebaut, Putz abgeschlagen und den Bauschutt entsorgt haben.

Typisch für die Region

Die Dorfkirche selbst ist eine für die Region typische spätromanische Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert. Ihre Architektur zeichnet sich durch eine klare Gliederung aus. Das Hauptgebäude besteht aus dem Kirchenschiff und dem eingezogenen, quadratischen Chor.  Der Turm wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und ersetzte einen baufälligen hölzernen Dachreiter. Eine dendrochronologische Untersuchung ergab, dass das Holz für das Dachwerk bereits um 1478 geschlagen wurde.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Innenraum umgestaltet: Die Fenster wurden vergrößert, um mehr Licht hereinzulassen, und der Triumphbogen wurde aufgeweitet, um den Blick zum Altar zu öffnen.

Zur Ausstattung gehören unter anderem ein prachtvoller gotischer Altarschein aus dem späten 15. Jahrhundert und das herrschaftliche Patronatsgestühl im Ostgiebel des Chors aus der Zeit um 1680. Zwei Glocken läuten im Turm, die ältere stammt aus dem 16. Jahrhundert, die jüngere wurde erst 2001 gegossen.

Die Reise geht weiter

Für 2026 ist der zweite Bauabschnitt geplant – die Stiftung KiBa ist wieder mit 10.000 Euro Fördergeld am Start. In diesem Jahr geht es um die Innenausmalung der Wände und Decken sowie der Restaurierung des gotischen Altarschreins und des Taufsteins. Es bleibt also spannend in Deetz! Die gesamte Sanierung ist Teil eines größeren Plans, um die Kirche für die Gemeinde zukunftsfähig zu machen und den Raum für verschiedene gottesdienstliche und gemeinschaftliche Formate zu öffnen.