Pfarrkirche Lixfeld (Hessen)
Pfarrkirche Lixfeld (Hessen)

Instandgesetzt in die Gesamtkirchengemeinde

Turm- und Dachsanierung an der Pfarrkirche Lixfeld

322 Jahre war Lixfeld eine eigenständige Kirchengemeinde. Seit 2026 sind die hessischen Gemeinden Frechenhausen, Bottenhorn, Gönnern, Obereisenhausen, Oberhörlen, Roth und eben Lixfeld zur Gesamtkirchengemeinde Oberland zusammengeschlossen. Die frisch sanierte Pfarrkirche Lixfeld macht da gleich eine richtig gute Figur.

Lixfeld liegt im oberen Gansbachtal und ist ein Ortsteil der Gemeinde Angelburg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf. 1238 wurde der Ort im ältesten Siedlungsgebiet der oberen Lahn erstmals erwähnt. Die Namenherkunft ist ungewiss, über die Jahrhunderte kursieren verschiedene Schreibweisen. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts machte das Rittergeschlecht derer von Lixfeld von sich reden und bestimmten die Geschichte der Gegend.

Ungefähr in dieser Zeit wurde auch die Lixfelder Chorturmkirche erbaut. Turm und Chor sind jedoch älter und gehen vermutlich noch auf einen Vorgängerbau zurück. Markant ist der wuchtige Wehrturm mit seinen vier Wiechhäuschen, die zur Beobachtung dienten (frühneuhochdeutsch Wiek: Ausweichen, zur Seite treten). Der Dachstuhl über dem Schiff wurde 1472 gezimmert, wie dendrochronologische Untersuchungen belegen. 1835 wurde ein hölzerner Glockenstuhl in der ersten Turmetage eingebaut. Zur Ausstattung der Kirche gehören ein Kruzifix aus dem 15. Jhd. (ursprünglich ein Altarretabel), der hölzerne Kanzelkorb von 1595 und ein Taufbecken mit Taube.

Die Oberlinger-Orgel von 1967 wurde nach dem Ende der Sanierung abgebaut, weil man mit der Disposition als Begleitinstrument des Gemeindegesangs nicht mehr zufrieden war. Seit März 2026 verrichtet ein Instrument der dänischen Orgelbaufirma Marcussen & Søn seinen Dienst. Die Orgel wurde 1941 für einen Andachtsraum in Sønderborg gebaut und steht nun auf der Lixfelder Nordempore.

Die Vorbereitungen

Im Oktober 2023 wurden verschiedene Schadensbilder festgestellt, die man in zwei Bauabschnitte angehen wollte: der erste Bauabschnitt umfasste die Arbeiten am Turm, der zweite die Instandsetzungen im Kirchenschiff.

Ein Holzschutzgutachten vom Februar 2024 lieferte ein genaues Bild vom Zustand des historischen Dachstuhls. Man entdeckte einen massiven Befall durch holzzerstörende Pilze wie den Braunen Kellerschwamm und den Ausgebreiteten Hausporling. Über Jahre hinweg war der Dachanschluss zum Turm undicht, so dass reichlich Feuchtigkeit eindringen konnte. Fraßspuren von Nagekäfern zeigten, dass sich auch schädliche Insekten eingenistet hatten.

Ein weiteres Problem stellte die hohe Schadstoffbelastung der Althölzer dar: Die Laborwerte für PCP, Lindan und Teeröl-Komponenten (PAK) lagen teils massiv über den Grenzwerten für Innenräume. Deswegen legte man im Sanierungskonzept neben dem statisch erforderlichen „Gesundschnitt“ geschädigter Balken auch strikte Arbeitsschutzvorkehrungen und den Einbau einer staubdichten Trennlage fest, um den Kirchenraum dauerhaft vor belastetem Staub aus dem Gebälk zu schützen.

Es geht los

Die eigentlichen Arbeiten begannen im Februar 2025. Ein besonderer Fokus lag auf dem Artenschutz: Um Fledermäuse und Mauersegler zu schützen, wurden im Dachraum eine Beleuchtung zur Vergrämung installiert und Ausweichquartiere am Turm geschaffen. Parallel dazu wurden Bäume und Sträucher zurückgeschnitten, um Platz für die Gerüststellung zu schaffen.

Ab April wurde das Außengerüst am Kirchenschiff errichtet. Die Dachdecker begannen mit dem Rückbau der alten Schiefereindeckung und der Schalung, wobei das Dach abschnittsweise mit Planen regensicher gemacht wurde.

Eingerüstetes Kirchenschiff

Eingerüstetes Kirchenschiff

Eingerüsteter Turm

Eingerüsteter Turm

Verschiedene Schadensbilder: holzzerstörende Pilze haben ganze Arbeit geleistet

Verschiedene Schadensbilder: holzzerstörende Pilze haben ganze Arbeit geleistet

Arbeiten am Dach des Schiffs

Arbeiten am Dach des Schiffs

Alte Abbundzeichen und neue Laufstege

Alte Abbundzeichen und neue Laufstege

Schieferarbeiten am Dach

Schieferarbeiten am Dach

Neu verschiefertes Dach - der Anschluß an den Turm ist abgedichtet

Neu verschiefertes Dach - der Anschluß an den Turm ist abgedichtet

Neu verschiefertes Dach mit Dachgauben

Neu verschiefertes Dach mit Dachgauben

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Schadensaufnahme und Rohbauphase

Nachdem Ende Mai 2025 das Dach abgedeckt war, wurde das volle Ausmaß der Schäden sichtbar. Besonders im Bereich des „Altbaus“ gab es zahlreiche stark geschädigte Sparrenfüße und Mauerlatten, die durch die Feuchtigkeit morsch geworden waren. Im Mai wurde zudem die alte KMF-Wärmedämmung aus Glas- und Steinwolle vollständig zurückgebaut und fachgerecht entsorgt. KMF-Dämmungen gelten als krebserregend und dürfen in Deutschland seit 2000 nicht mehr verwendet werden.

Schadhafte Nadelholz-Mauerlatten wurden durch langlebiges Eichenholz ersetzt. Marode Teilstücke der Sparren wurden gekürzt und durch neues Eichenholz ergänzt. Und weil die vorhandenen elektrischen Leitungen unsachgemäß verlegt waren, wurden sie in neuen Kabelkanälen mit größerem Abstand zur Dachhaut neu verlegt.

Im Juli konzentrierten sich die Arbeiten auf die weniger geschädigte Nordseite, um dort zügig mit den Dachdeckerarbeiten beginnen zu können.

Ein wichtiger Meilenstein

Im August 2025 konnten die Zimmerleute ihr Werk erfolgreich abschließen. Zeitgleich wurden Natursteinarbeiten an der Traufe durchgeführt, dabei wurden Bruchsteine aufgemauert und Fugen mit Heißkalk geschlossen.

Auch um Innenbereich des Dachraums wurden wichtige Verbesserungen für die Wartung installiert: Neue Holzsteige und Laufstege mit Geländern sowie die Installation einer dauerhaften Beleuchtung im Turm und Dachraum werden bei künftigen Sanierungen den Handwerkern das Leben leichter machen.
Die Dachdecker montierten in dieser Phase die neuen Dachrinnen aus Kupfer und begannen mit der Schalung des Turmschaftes.

Schieferarbeiten und Abschluss

Im September begannen die großflächigen Schieferarbeiten. Dabei wurden auch die vier instandgesetzten Dachgauben wieder montiert und fachgerecht in die Schieferfläche eingebunden. Bis Oktober war die Nordseite weitgehend fertiggestellt. Ein kleiner Rückschlag traf Ende Oktober ein, als durch eine undichte Klebestelle an der Südseite geringfügig Wasser in den Kirchenraum eindringen konnte.

Der Abschluss der Arbeiten erfolgte im November 2025. Das Hängegerüst am Turm wurde abgebaut und die letzte Maßnahme war die Verschieferung des Vordaches über dem Haupteingang. Mit dem vollständigen Rückbau des Gerüstes Ende November wurde die äußere Sanierung erfolgreich abgeschlossen.

Fazit und Ausblick

Gut 540.000 Euro haben die Sanierungsmaßnahmen gekostet, fast vollständig aus Mitteln der Gemeinde und der Landeskirche bezahlt. 15.000 Euro hat die Stiftung KiBa beigesteuert. Und es hat sich gelohnt: die Lixfelder Pfarrkirche ist nun für die kommenden Generationen gerüstet und kann ihre wichtige Rolle in der neuen Gesamtkirchengemeinde spielen. Natürlich wird man im Rahmen der Fusion mit den Nachbarorten enger zusammenrücken.

In Lixfeld blicken sie optimistisch in die Zukunft, man wolle vereint „das Hoffnungslicht, das Christus in die Welt gebracht hat, weitertragen“. So heißt es auf der Homepage der Gemeinde.