Schieferglanz über dem Brahmetal
Die Rettung der Dorfkirche Zschippach
Wer heute durch das idyllische Brahmetal nordöstlich von Gera fährt, der kann die markante Silhouette der Zschippacher Dorfkirche bewundern. Dank einer aufwendigen Sanierung glänzt die barocke Turmhaube wieder in frischem Schiefer – der weithin sichtbare Erfolg einer beispielhaften Gemeinschaftsleistung. 2024 hatte die KiBa die Maßnahmen gefördert, jetzt ist der zweite und letzte Bauabschnitt abgeschlossen.
Gefahr im Verzug: Wenn der Turm den Halt verliert
1648 wurde die Chorturmkirche im errichtet, 1722 setzte man die Turmkonstruktion auf. Und genau die bereitete den Statikern massive Sorgen. Bei Untersuchungen hatte sich herausgestellt, dass die sogenannte Aufstandsebene – also die hölzerne Basis, auf der die gesamte Turmhaube auf dem massiven Mauerschacht ruht – durch tierischen und pflanzlichen Befall massiv geschädigt war.
Durch ein undichtes Dach war Feuchtigkeit eingedrungen und hatte das Gebälk so mürbe gemacht, dass sich die gesamte Konstruktion bereits gefährlich verformt hatte. Die gesamte Last wurde so gerade noch über den Glockenstuhl ins Innere abgeleitet. 2015 drohte die Turmbekrönung abzustürzen und musste schließlich per Kran abgenommen werden.
Präzisionsarbeit in luftiger Höhe
In zwei großen Bauabschnitten rückten die Experten an. Zuerst wurde der Turm bis in 30 Meter Höhe eingerüstet – ein statisches Kunststück für sich, da das Gerüst teilweise über dem Kirchendach „schweben“ musste. Oberhalb der Turmlaterne wurde die Spitze komplett demontiert und abgehoben.
Ursprünglich sollten Stahlträger eingezogen werden, doch man entschied sich am Ende doch für eine reine Holzkonstruktion. Starke Balken, sogenannte „Überzüge“, und ein hölzerner Schwellenkranz stabilisieren jetzt die Basis und leiten die Kräfte wieder sicher ins Mauerwerk ab.
Rund 130 m2 Naturschiefer wurden in der „Altdeutschen Deckung“ aufgebracht (auch „Thüringer Hieb“ genannt). Das ist eine handwerklich rechts anspruchsvolle Technik, bei der unterschiedlich große Schiefersteine so verlegt werden, dass am Ende ein harmonisches Bild dabei herauskommt. Die Laternenstiele erhielten eine schützende Verkleidung aus Titanzink. Eine spezielle „Stehfalzdeckung“ verbindet die Bleche regendicht.
Über den Kirchturm hinaus
Architektonisch ist die Kirche eine klassische Chorturmkirche. Den Innenraum dominiert eine dreiseitige Doppelempore den Raum, ergänzt durch einen prachtvollen Herrschaftsstand unter der Orgel. Er war den Grundbesitzern des örtlichen Rittergutes vorbehalten, die auch das Patronat für die Kirche besaßen. Ein besonderer Schatz ist das Bleiglasfenster im Osten von 1892.
Die Ausmalung der Kirche datiert auf 1751 und verleiht ihr zusammen mit der flachen Decke eine besondere Atmosphäre. Den Übergang vom Schiff zum eingezogenen quadratischen Chor markiert ein Triumphbogen. Verborgen im Turm liegt eine Gruft.
Vor allem die Familie von Zehmen prägte den Ort. Friedrich von Zehmen dürfte bei den Bauern besonders beliebt gewesen sein, denn er ließ bereits 1840 die Frondienste abschaffen. Das Gut blieb bis ins 20. Jahrhundert im Familienbesitz. Mit der Weimarer Reichsverfassung musste das Fideikommiss (lat. fidei commissum, „zu treuen Händen“) 1925 aufgelöst werden, und Moritz-Bastian von Zehmen verkaufte das Anwesen. Nach 1945 wurde das Herrenhaus, das 1890 nach einem Brand neu errichtet worden war, im Zuge der Bodenreform abgetragen.
Interessant ist auch die Lage im Ronneburger Acker- und Bergbaugebiet. In unmittelbarer Nähe wurde von 1949 bis 1990 eines der weltweit größten Uran-Vorkommen abgebaut. Inmitten dieser industriell geprägten Geschichte wirkt die restaurierte Kirche wie ein ruhender Pol.
Die Sanierung der Turmhaube ist nun abgeschlossen, doch die Arbeiten gehen einfach nicht aus: Als nächstes steht die Instandsetzung des Kirchenschiffdaches an, um den langfristigen Erhalt der Gesamtsubstanz zu sichern. Die Zschippacher und die Stiftung KiBa bleiben dran.