Rettung für das „Herz am Markt“
Sanierung von St. Nicolai in Plön
Direkt am historischen Marktplatz der Stadt Plön erhebt sich die mächtige Nikolaikirche. Nichts scheint den ehrwürdigen Backsteinfeldern etwas anhaben zu können. Und doch haben statische Probleme, Feuchtigkeit und ein „ungeliebter Untermieter“, der Echte Hausschwamm, dem Gotteshaus schwer zu schaffen gemacht. Dank einer umfassenden Sanierung kann die Gemeinde wieder hoffnungsvoller in die Zukunft blicken.
Wenn das Dach auf die Wände drückt
Das Hauptproblem von St. Nikolai war ein „hausgemachtes“ statisches Defizit. Die Kirche besitzt wunderschöne, hölzerne Tonnengewölbe, die mit ihren aufwändigen Verzierungen den Innenraum prägen. Manchmal ist Schönheit allerdings schlecht für die Statik: Da die Gewölbe so weit nach oben ragen, fehlt im Dachstuhl – einem sogenannten Kehlbalkendach – die untere Balkenlage, die normalerweise die horizontalen Schubkräfte abfängt.
Ohne diese Verbindung drückt das schwere Dach die Außenwände langsam nach außen. In Plön waren bereits massive Risse im Mauerwerk zu sehen. Als erstes baute man eine temporäre Abfangung auf, um die Konstruktion während der Sanierung zu stützen und die Dachlast sicher abzuleiten. Dann konnten die Risse geschlossen werden. Vollgewindeschrauben wurden zur Verstärkung eingebaut und die Fußpunkte der Sparren (das sind die schrägen Balken des Daches) wurden instand gesetzt. Eine temporäre Abfangung stützte die Konstruktion während der Arbeiten, um die Lasten sicher abzuleiten.
Hausschwamm und altes Gift
Neben der Statik war der Echte Hausschwamm (EHS) das größte Problem. Dieser holzzerstörende Pilz hatte sich am Dachfuß eingenistet, wo das Dach auf dem Mauerwerk aufliegt. Sein fadenförmiges Wurzelnetzwerk (Myzel) kann sogar durch Mauerwerk wachsen, um an Feuchtigkeit zu gelangen. Alle befallenen Holzelemente wurden „gesund geschnitten“ – mindestens einen Meter über den letzten sichtbaren Befall – oder komplett ausgetauscht. Dabei wurde im Schwellenbereich Austausch ausschließlich widerstandsfähiges Eichenholz verwendet. Die Berührungspunkte zwischen Holz und Mauerwerk wurden mit einer Bleiunteralge versehen – so kann keine Feuchtigkeit mehr eindringen.
Ein chemisches Schwammsperrmittel wurde aufgebracht, denn die Pilzsporen des Hausschwamms neigen dazu, wieder aufzuleben. Deswegen wurde hier nicht nur an der Oberfläche gearbeitet: 20mm starke Bohrlöcher wurden schräg nach unten bis in zwei Drittel Tiefe ins Mauerwerk getrieben, um das Sperrmittel direkt in den Kern der Mauer zu bringen.
Bei früheren Sanierungsarbeiten in den 1960er und 1980er Jahren wurde das Holzschutzmittel Lindan verwendet. Das gilt heute als gesundheitsgefährdend, denn es verteilt sich nicht nur auf dem Holz, sondern auch in der Raumluft. Die Konzentration im Dachraum war so hoch, dass eine zusätzliche Belüftung unumgänglich wurde. Das hat die Kosten weiter hochgetrieben.
Liebe zum Detail: Mauerwerk und Fenster
Auch die äußere Hülle von St. Nikolai wurde instand gesetzt. Zahlreiche Ziegelsteine waren witterungsbedingt bröckelig geworden, vor allem an den Portalen waren die Schäden unübersehbar. Stützende Pfeile („Dienste“ in der Fachsprache) waren teilweise weggebrochen. Man musste die Natursteinkapitelle mit Notstützen sichern. Beschädigte Seine wurden behutsam ersetzt und Risse im Mauerwerk mit speziellem Muschelkalkmörtel verfugt.
Bei den Fenstern waren einige der filigranen Maßwerke, der ornamentalen Steinarchitektur innerhalb der Fensterbögen, im Laufe der Zeit marode geworden. Die Bleiglasfenster wurden ausgebaut und in einer Fachwerkstatt repariert.
Eine lange Geschichte
Um 1150 ließ Bischof Vizelin eine hölzerne Kirche in Plön errichten – mit einer Gruft, der sogenannten „Unterkirche“. Historische Bauzeichnungen um 1687 dokumentieren die Lage der bauzeitlichen Grüfte und den „neuen Grüften“ von 1698. Manche Historiker datieren eine erste Grablege bereits auf die Zeit um 1066.
1691 wurde unter Herzog Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön eine barocke Kirche auf kreuzförmigem Grundriss errichtet. Nach einem Blitzschlag am 24. Juni 1864 brannte das Gotteshaus fast vollständig ab, dabei wurde auch die Innenausstattung weitestgehend zerstört. Den Weideraufbau leitete der preußische Baurat Hermann Georg Krüger, 1668 wurde St. Nikolai geweiht. Krüger übernahm den Grundriss und Teile der Grundmauern, setzte den Bau aber im neuromanischen Stil um.
In den 1960er Jahren gestaltete der Künstler Carl Frey die Kirchenfenster mit Motiven aus der Ostergeschichte neu, das Holztonnengewölbe malte mit einem Mosaik aus hellen und goldenen Farben aus. 1985 baute man in den Querschiffen aufsteigende Tribünen und Emporen ein.
Die Orgel baute Alfred Führer aus Wilhelmshaven 1967 ein. Das Instrument mit mechanischen Schleifladen und elektrischen Trakturen verfügt über 38 klingende Register und wurde Ende der 1990er Jahre generalüberholt.
Im Mai 2022 wurde die „Plöner Wassermusik für Kammerorchester mit Sopran solo“ von Claus Woschenko in St. Nikolai uraufgeführt. Das Stück in fünf Sätzen thematisiert die charakteristische Seenlandschaft rund um die Stadt Plön.
Plön: Stadt zwischen den Seen
Rund 9.000 Einwohner hat die Kreisstadt Plön, die sich gern als „Perle der Holsteinischen Schweiz“ bezeichnet. Fast das gesamte Stadtgebiet ist von Wasser geprägt – Plön liegt an elf Seen.
Wahrzeichen ist das Schloss aus dem 17. Jahrhundert, das hoch über dem Großen Plöner See thront. Einst war es die Sommerresidenz der dänischen Könige, später wurde es zur kaiserlichen Kadettenanstalt umfunktioniert. 1997-2000 war es Kulisse für die erfolgreiche TV-Serie „Die Schule am See“. Heute ist es Ausbildungs- und Qualifizierungsstätte der Hörakustik- Augenoptik-Branche im Besitzt der „Fielmann Akademie Schloss Plön“.