Dreieinigkeitskirche Eschweiler (Nordrhein-Westfalen)
Dreieinigkeitskirche Eschweiler (Nordrhein-Westfalen)

Ein neues Kapitel in Eschweiler

Komplexe Sanierung der Dreieinigkeitskirche

Mit der Fertigstellung der Gesamtsanierung hat die Dreieinigkeitskirche ihre bauliche Integrität zurückerhalten, ihre Position als stadtbildprägendes Baudenkmal im Herzen des Jülicher Landes ist damit buchstäblich gefestigt. Die Jahre 2022-2026 waren schwierig, eine volatile Marktlage und elementare Krisen stellten eine gewaltige Herausforderung dar.

Man kann durchaus von einem Kraftakt sprechen: widrige ökonomische Bedingungen haben der Sanierung der Dreieinigkeitskirche immer wieder Steine in den Weg gelegt – am Ende ist alles gut ausgegangen. Exzellente Planung und Akribie haben eine wichtige Rolle gespielt.

Eine Kurzchronik macht den Aufwand deutlich:

  • September 2022: Beginn der Sanierung mit einer hochkomplexen Fundamentertüchtigung im ersten Bauabschnitt.
  • Jahreswechsel 2023/2024: Start des zweiten Bauabschnitts aufwendiger Turmeinrüstung und Wiederherstellung der neugotischen Silhouette.
  • November 2024: Beginn des dritten Bauabschnitts im Kirchenschiff, Einhausung der Beckerath-Orgel
  • Oktober 2025: Einweihungsfeier der Kirche nach Abschluss aller für die Nutzung entscheidenden Gewerke.
  • Januar 2026: Klangliche Vollendung der Orgel, Einbau der Spanischen Trompeten.
  • Mai 2026: Finaler Schlusspunkt mit der Montage der Kugelbekrönungen auf den Chorabschlüssen.

Die Verleihung der Denkmalplakette des Landes Nordrhein-Westfalen zum Abschluss der Maßnahmen ist viel mehr als eine formale Anerkennung; sie unterstreicht die handwerkliche Exzellenz der Ausführung. Vor allem der Rückbau auf das historische Erscheinungsbild von vor 1969 war nur wegen eines tiefen Verständnisses für die neugotische Formensprache möglich. Betrachtet man die Eschweiler Kirche heute, mag man sich kaum vorstellen, dass das Gotteshaus noch vor wenigen Jahren materiell und finanziell extrem angeschlagen war.

Chronik des Verfalls

Der Erhalt historischer Bausubstanz wird gerne mit einer anatomischen Rekonstruktion verglichen, bei der die Sünden der Vergangenheit schonungslos offengelegt werden. Architektonische Fehlentscheidungen vergangener Jahrzehnte und unvorhersehbare Naturereignisse hatten sich zu einer existenziellen Bedrohung ausgeweitet.

Die Renovierung von 1968 markierte einen Tiefpunkt der Denkmalpflege. Dem puristischen Zeitgeschmack folgend, wurden die Krone des Turmhelms, die Zwerchgiebel und die Fialtürme entfernt. Dadurch verlor die Kirche ihre vertikale Dynamik, manch einer sprach sogar von „architektonischer Verstümmelung“.

Im April 2025 ist die Dreieinigkeitskirche noch vollständig eingerüstet

Im April 2025 ist die Dreieinigkeitskirche noch vollständig eingerüstet

Auf dem Außengerüst mit Blick auf die Fenster von Maria Katzgrau

Maria Katzgrau

Arbeiten am Turm mit den neuen Fialtürmchen

Arbeiten am Turm mit den neuen Fialtürmchen

Arbeiten am Turm mit den neuen Fialtürmchen

Arbeiten am Turm mit den neuen Fialtürmchen

Risskontrolle im Innenraum

Risskontrolle im Innenraum

Historisch wieder korrekt: Vorher-Nachher-Vergleich in der Außenansicht

Historisch wieder korrekt: Vorher-Nachher-Vergleich in der Außenansicht

auf der Landkarte anzeigen

Unbestritten war dagegen die strukturelle Instabilität. Massive Risse zogen sich durch den Turm und die Seitenschiffe. Auch die Dachkonstruktion war marode – die Standsicherheit der Kirche war massiv in Frage gestellt.

Im Juli 2021 wurde Eschweiler von einem gewaltigen Hochwasser erfasst, die kommunale Infrastruktur der Stadt wurde schwer beschädigt. Bis heute sind die Folgen der Katastrophe spürbar. Die Kindertagesstätte der Kirchengemeinde wurde zerstört, der Wiederaufbau band den Großteil der Finanzmittel und gefährdete damit die Kirchensanierung. Im gleichen Monat verursachte ein schwerer Sturm Schäden an Gerüsten und Natursteinen – glücklicherweise konnte dieser Rückschlag zu mehr als der Hälfte durch Versicherungsleistungen gedeckt werden.

Wie stemmt man die Kosten?

Jetzt musste man umplanen und Kosten einsparen, wo immer das möglich war. Beispielsweise verwendete man am Dach des Kirchenschiffs Ziegel statt Schiefer. Bei einer akribischen Sichtung von Archivunterlagen hatte sich herausgestellt, dass das Dach tatsächlich ursprünglich in Ziegel ausgeführt war. Ein Glücksfall, denn jetzt konnte man regional gebrannte Ziegel als Erkelenz verwenden. Das war nicht nur denkmalgerecht, sondern auch viel kostengünstiger und machte Mittel frei für ein neues Altarkreuz.

Das Werk von Professor Thomas Virnich ersetzt ein langjähriges, restaurierungsbedürftiges Provisorium. Virnichs Entwurf vereint Karfreitag und Ostern in einer theologisch dichten Ikonographie und bildet das künstlerische Zentrum des nun in mineralischem Weiß und dezenter Ornamentik erstrahlenden Raumes.

Das Erbe von August Albes und Maria Katzgrau

Die 1892 eingeweihte Dreieinigkeitskirche ist ein herausragendes Beispiel der Neugotik. Der Entwurf von August Albes, einem Schüler von Conrad Wilhelm Hase, folgt dem Eisenacher Regulativ und ist als Hallenkirche mit Abseiten konzipiert. Der dreiteilige Chor nebst Chorumgang an der Mittelapsis sowie der Übergang des Turms vom quadratischen zum achteckigen Grundriss zeugen von Albes' gestalterischem Können.

Die 1998 verstorbene Glasmalerin Maria Katzgrau hat zahlreiche beeindruckende Kirchenfenster in ganz Deutschland und darüber hinaus geschaffen. Zwischen 1948 und 1961 haben ihre Ornamentalfenster in Eschweiler die im Krieg verlorenen neugotischen Bleiglasfenster ersetzt. Die moderne Glasmalerei schaffen eine einzigartige Lichtregie im Innenraum.

Die Beckerath-Orgel von 1990 wurde 2019 durch ein schwellbares Auxiliairewerk (3. Manual) erweitert. Mit der Ergänzung um Spanische Trompeten (8′ und 4′) im Januar 2026 besitzt das norddeutsche Barockinstrument nun eine außergewöhnliche klangliche Gravität.

Das silberne Rokoko-Taufgerät (1758) der Stifterin von Recklinghausen und der Kelch des Abendmahlsgeschirrs von ca. 1600 haben alle Krisen überdauert und gelten als besondere liturgische Kostbarkeiten.

Eschweiler, die Inde und das Erbe des Bergbaus

Die Dreieinigkeitskirche steht als Wahrzeichen und steinerner Zeuge im Zentrum einer Stadt, deren Wurzeln als karolingisches Königsgut bis ins Jahr 828 zurückreichen. Im Laufe ihrer langen Geschichte hat sich die Stadt in den Inde-Auen immer wieder neu erfunden. Heute leben rund 60.000 Menschen in der Aachener Städteregion.

Vom Zentrum der rheinischen Montanindustrie unter dem Eschweiler Bergwerksverein (EBV) bis zum modernen Mittelzentrum mit hoher Lebensqualität war der Weg im Wortsinn steinig. Über vierhundert Jahre wurde bis 1944 Steinkohle aus den Eschweiler Gruben geholt. Im dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt durch hessisch-weimarisch-französische Truppen eingenommen und geplündert. 1756 richtet ein Erdbeben bei Düren auch in Eschweiler schwere Schäden an. 1794 besetzten die Franzosen das linke Rheinufer und errichteten als einen Teil Frankreichs das Département de la Roer, Eschweiler wurde Hauptort der Region. Nach dem Wiener Kongress kam 1815 die Rheinprovinz und damit auch Eschweiler zum Königreich Preußen.

Seit 1890 begleitet die Dreieinigkeitskirche – die bis 1957 Lutherkirche hieß – die Geschicke der Stadt und mag in dieser Periode immer wieder als stabiler Anker in einer sich schnell wandelnden Zeit gedient haben. Dass sie nun für die kommenden Generationen gesichert ist, zeigt einmal mehr die Wichtigkeit einer Zusammenarbeit zwischen kirchlichen und staatlichen Akteuren. Die Stiftung KiBa hat ihren Teil dazu beigetragen und die Kirchengemeinde in den Jahren 2022, 2023 und 2025 mit insgesamt 70.000 Euro aus Mitteln der Ursula und Karl Heinz Rössner-Stiftung unterstützt.