„Sinn und Geschmack fürs Unendliche“
Reformationsempfang der Nordkirche mit Verleihung der Bugenhagenmedaille
Wie können Kirche und Kultur miteinander wirken und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitragen? Das war eine der zentralen Fragen beim diesjährigen Reformationsempfang der Nordkirche, der in der St. Marien-Kirche in Pasewalk stattgefunden hat. Wir nehmen Sie mit in eine „altbekannte KiBa-Kirche“.
Fast 80 Meter hoch ist der mächtige Turm von St. Marien am historischen Marktplatz von Pasewalk im Landkreis Vorpommern-Greifswald – ein bekanntes Wahrzeichen der Hanse- und „Kürassier“-Stadt. Bereits 1178 wird eine Marktkirche aus Feldstein an dieser Stelle erstmals urkundlich erwähnt. Noch heute sind die Spuren des Vorgängerbaus erhalten: Die Grundmauern des Turms und Teile der Westwand stammen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
St. Marien ist ein herrliches Beispiel norddeutscher Backsteingotik mit hohen, schlanken Fenstern, spitzbogigen Portalen und reich gegliederten Pfeilen und kunstvollem Maßwerk. Das heutige Kirchengebäude entstand überwiegend zwischen 1325 und 1350. Sieben Joche ist die dreischiffige Hallenkirche lang. Der Chor ist polygonal abgeschlossen. Die nördliche Kapelle aus dem 15. Jahrhundert besitzt ein Sterngewölbe.
Ein überaus würdiger Ort also für den diesjährigen Reformationsempfang unter dem Leitwort „Sinn und Geschmack fürs Unendliche – Kirche und Kultur“. Mit der Aufführung von Johann Sebastian Bachs Reformationskantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ (BWV 80) setzte man einen herausragenden musikalischen Akzent. Es musizierten die Kantorei Pasewalk, das Orchester für Alte Musik Vorpommern und Solistinnen und Solisten unter der Leitung von Kantor Julius Mauersberger. Die geistliche Besinnung gestalteten Bischof Tilman Jeremias und Elke König, stellvertretende Vorsitzende der Landessynode.
In seiner Ansprache erinnerte Bischof Jeremias an die Aktualität der reformatorischen Botschaft. Angesichts von Krieg, Gewalt, Hass und Unterdrückung sei Luthers Choral mehr als ein historisches Glaubenszeugnis. Er verweise auf die Hoffnung, dass die zerstörerischen Kräfte dieser Welt nicht das letzte Wort behalten. Der christliche Glaube stärke Menschen darin, für Frieden, Menschenwürde und Versöhnung einzutreten.
Ein Höhepunkt des Empfangs war die Verleihung der Bugenhagenmedaille an Gertrud Ohse. Mit der höchsten Auszeichnung der Nordkirche würdigte die Kirchenleitung ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in Pasewalk. Als Musikerin, Kulturvermittlerin und Initiatorin von Projekten wie „Dorf.Kirche.klingt“ und dem „Deutsch-Polnischen Kultursommer“ setzt sie sich für die Verbindung von Kirche, Musik und gesellschaftlichem Austausch ein. Ihr Engagement trägt dazu bei, Kirchen als lebendige Kultur- und Begegnungsorte in der Region zu erhalten und mit neuem Leben zu füllen.
Der Reformationsempfang machte damit wieder einmal deutlich: Kirchen sind nicht allein Orte des Gottesdienstes. Sie bieten Raum für Musik, Kunst, Begegnung und gesellschaftlichen Dialog. Gerade in einer Zeit gesellschaftlicher Spannungen können sie wichtige Impulse für Gemeinschaft und Zusammenhalt geben.
Eine „altbekannte KiBa-Kirche“
In den letzten zehn Jahren hat die Stiftung KiBa St. Marien Pasewalk viermal gefördert und insgesamt 61.500 Euro in die Sanierung des Gotteshauses gesteckt – zuletzt 10.000 Euro für die Fassadensanierung 2022, in der vor allem die Nordkapelle im Fokus stand. Mit diesem siebten und letzten Bauabschnitt ist eine lang geplante Erhaltungsmaßnahme erfolgreich zu Ende gegangen, die 2014 begonnen wurde.
- Reformationsempfang der Nordkirche
Bischof Tilman Jeremias: „Gott ist die feste Burg gegen das Böse“
- St. Marien Pasewalk in der KiBa-Projektdatenbank