Ein Juwel an der Württemberger Weinstraße
Turmsanierung der St. Remigiuskirche in Häfnerhaslach abgeschlossen
Häfnerhaslach im Landkreis Ludwigsburg ist ein malerischer Flecken im württembergischen Kirbachtal. Weinberge umgeben den Ort, viele alte Fachwerkhäuser lassen einen vergessen, dass der Großraum Stuttgart weniger als eine Autostunde entfernt ist. Die Pfarrkirche St. Remigius steht direkt im Mittelpunkt von Häfnerhaslach.
Eine Kirche mit Charakter…
St. Remigius ist heute Teil eines historischen Gebäudeensembles aus dem 16. Jahrhundert. Mit ihrem markanten Fachwerkaufsatz trägt die mittelalterliche Chorturmkirche unverwechselbar zur Silhouette des Orts bei. Die Wurzeln der Kirche reichen sehr weit zurück: Die ältesten Bauelemente sind die zwei unteren Geschosse des Turms, sie stammen noch aus dem 13. Jahrhundert. Um 1420 wurde das Kreuzrippengewölbe erbaut, das den Chor überspannt. Hier sind auch wertvolle Fresken aus derselben Zeit zu sehen. Dargestellt sind die Symbole der vier Evangelisten.
Im 16. Jahrhundert wurde der Turm aufgestockt und man errichtete das Eichenfachwerkgeschoss des Turms – heute gewissermaßen das Markenzeichen von St. Remigius. Im Innen hängt eine Glocke von 1431. Ein wuchtiges Pyramidendach schließt den Turm ab. 1767 wurde das heutige Langhaus im Barockstil erbaut. Die hervorragende Akustik und die schöne Lage machen das Gotteshaus für Konzerte und Hochzeiten besonders attraktiv.
…und Geschichte
Remigius von Reims (französisch: Saint Rémi) ist der Namenspatron. Er war einer der bedeutendsten Bischöfe des frühen Christentums in Gallien und lebte etwa von 437 bis 533. Über siebzig Jahre war er Bischof von Reims. Bekannt geworden ist er vor allem durch die Taufe des fränkischen Königs Chlodwig I. um das Jahr 496. Nach der Schlacht von Zülpich überzeugte Remigius den Frankenkönig, den christlichen Glauben anzunehmen. Dieses Ereignis gilt als Wendepunkt in der europäischen Geschichte, Remigius wird zum Wegbereiter des Christentums in Europa.
Zahlreiche Kirchen im westlichen Europa tragen heute seinen Namen, in Deutschland vor allem im Rheinland, in Hessen und in Teilen Süddeutschlands.

Die Pfarrkirche St. Remigius ist das Zentrum von Häfnerhaslach

Turmzustand im Juli 2023 - von außen sind die Schäden nicht erkennbar

Im März 2025 sind Turmspitze und Kaiserstiel freigelegt

Die schadhaften Sparren um den Kaiserstiel wurden ersetzt

Dachtragwerk nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen

Dachtragwerk im Südwesten nach Abschluss der Sanierungsarbeiten

Fachwerkwände nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen
Massive Schäden
Bei ersten Voruntersuchungen 2016 hatte man schon eine ganze Reihe an Schäden entdeckt, doch das ganze Ausmaß der Zerstörung wurde erst während der eigentlichen Bauarbeiten zwischen 2024 und 2026 sichtbar. Dramatisch war der Zustand der Turmspitze: Hier war reichlich Wasser eingedrungen, am Kaiserstiel – dem senkrecht stehenden Holzbalken im Inneren, an dem die Dachkonstruktion zusammenläuft – und den umliegenden Holzbauteilen hatten Pilze und Feuchtigkeit das Holz fast völlig zerstört.
Auch die Fachwerkwände waren beschädigt. Nachdem man die alten Verkleidungen aus den 1980er Jahren abgebaut hatte, waren gravierende Mängel zu sehen. An der Westwand waren die Schwellen und Eckpfosten massiv geschädigt. Bei früheren Sanierungen waren offenkundig zu schwache Hölzer eingesetzt worden, was der Konstruktion im Rückblick eher geschadet als genutzt hatte. Das Fachwerkgefüge im Osten und Süden war sogar bereits konstruktiv geschwächt.
Die Sanierungsmaßnahmen
Im November 2024 konnte die Sanierung beginnen. Traditionelle handwerkliche Techniken standen dabei im Fokus, um dem denkmalpflegerischen Anspruch gerecht zu werden. Beim Holztragwerk rund um die Turmspitze wurden alle schadhaften Sparren und der Kaiserstiel bis auf das gesunde Holz zurückgeschnitten und fachgerecht ergänzt. Fehlende Bauteile wie Fußstreben und Andreaskreuze wurden dem historischen Bestand entsprechend wieder eingebaut.
Alle Eckpfosten der Westwand wurden ausgetauscht und die Gefache mit kleinformatigen Vollziegeln und Trasskalkmörtel ausgemauert. Trass ist ein fein gemahlenes vulkanisches Gesteinsmehl, das meist aus Tuff gewonnen wird. Es reagiert chemisch mit dem Kalk und verbessert die Eigenschaften des Mörtels. Diese Mörtelart kommt meist bei der Sanierung historischer Bauwerke sowie im Naturstein- und Mauerwerksbau zum Einsatz. Wasserführende Risse im Holz der Westwand wurden mit einer speziellen Leinöl-Holzrisspaste verschlossen.
Das Turmdach wurde im Biberschwanz-Doppeldeckung komplett neu eingedeckt. Die Turmzier – bestehend aus Kugel, Kreuz und Wetterhahn – wurde demontiert, in der Werkstatt gereinigt und repariert. Die Kupferbleche wurden erneuert, damit künftig kein Wasser mehr eindringen kann. Auch im Glockenstuhl wurden die Schwellen zum Teil erneuert. Die beschädigten Schallluken wurden nach aktuellen akustischen Empfehlungen neu aus Lärchenholz angefertigt.
Ziel erreicht
Im April 2026 konnten die Arbeiten erfolgreich abgeschlossen werden. Dank der fachgerechten Instandsetzung ist die Standsicherheit des Kirchturms nun wiederhergestellt und sein langfristiger Erhalt als kulturelles und geistliches Herzstück von Häfnerhaslach gesichert. Knapp 700.000 Euro hat die Sanierung am Ende gekostet, ein Großteil davon wurde aus Eigenmitteln finanziert (u.a. über die württembergische Landeskirche und den Kirchenkreis). Auch die Kommune hat sich mit fast 190.000 Euro daran beteiligt.