Die Glocken läuten wieder
Abschluss der Turmsanierung an der Gnadenkirche Giersleben
Mit dem erfolgreichen Abschluss des vierten Bauabschnitts ist der Turm der Gnadenkirche in Giersleben (Sachsen-Anhalt) für die Zukunft gesichert. Die ursprüngliche Putzfassade wurde wiederhergestellt und das Mauerwerk ist nun langfristig vor Witterungseinflüssen geschützt. Und das bestehende Läuteverbot konnte endlich aufgehoben werden.
Risse, Putz und Holzschäden
Wer nach Giersleben im Salzlandkreis kommt, sieht die barocke Gnadenkirche schon von weitem auf ihrem begrünten Hügel im historischen Ortskern. Der quadratische Westturm könnte gut als Dorfmittelpunkt durchgehen. Er gehört auch zu den ältesten Bauelementen – Teil des Turms gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. Der heutige Kirchsaal ist vergleichsweise jung und wurde 1759 geweiht.
Als man Ende 2024 im Rahmen der schrittweisen Gesamtsanierung den Turm in Angriff nahm, befand der sich in einem durchaus kritischen Zustand. Die Mauern waren stark beschädigt und im Sockelbereich war das Mauerwerk erheblich durchfeuchtet. Vom Putz an der Fassade war kaum etwas übrig geblieben und in allen Wänden der Turmaußenschale hatten sich starke Risse gebildet. Die Befestigungen des Epitaphs an der Südwand waren massiv korrodiert.
Der hölzerne Dielenboden auf der Glockenebene war in einem desolaten Zustand – auch die Joche, an denen die Glocken hängen, waren in Mitleidenschaft gezogen. Deswegen hatten die Glocken schweigen müssen. Ihre Schwingungen wären für die Statik des Turms gefährlich geworden.
Komplexe Sanierungsarbeiten
Nachdem der Turm vollständig eingerüstet war, konnten die Arbeiten beginnen. Alle Gefügerisse wurden fachmännisch verschlossen, zwei früher zugemauerte Öffnungen wurden wieder aufgemacht. Die schrägen Seitenflächen der Turmfenster – die sogenannten Gewände – wurden instandgesetzt.
Aufwändig war die Fassadensanierung: eine zweilagige Mischung aus regionalen Sanden wurde zunächst als Unter- und später als Oberputz aufgetragen. Weiter oben an den Schallluken kam ein spezieller Glattputz zum Einsatz.

Der eingerüstete Kirchturm

Fertiggestellte Fassadensanierung

Arbeiten an den Schallluken: vorher und nachher

Instandsetzung des Glockenstuhls

Blick auf die Läuteanlage - die kann jetzt wieder ihren Dienst verrichten

Zwei früher zugemauerte Öffnungen wurden wieder aufgemacht
Gleichzeitig wurde im Turminneren gearbeitet. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hatten die Glockenanlage und der Glockenstuhl. Um Schwingungsübertragungen zu minimieren, wurde der Glockenstuhl vollständig vom Mauerwerk getrennt. Neue Holzjoche aus Eichen halten die Glocken an ihrem Platz, darunter auch eine 1587 in Magdeburg gegossene Glocke, die als eine der ältesten Glocken aus nachreformatorischer Zeit gilt. Mit dem Abschluss der Arbeiten ist die Gnadenkirche mit ihrem Geläut auch wieder zu hören.
Das Epitaph im Süden wurde mit neuen Ankern aus besonders hochwertigem korrosionsbeständigen Edelstahl gesichert. Die Instandsetzung der Turmuhr steht indes noch aus. Das mechanische Uhrwerk wurde fachgerecht demontiert und zunächst sicher in einer tieferen Ebene gelagert. Trotz einer kurzen Verzögerung durch einen Brand in der beauftragten Tischlerei konnten die letzten Arbeiten an den Schallluken Ende April 2026 abgeschlossen werden.
Miteinander von Kirche und Kommune
Die Gnadenkirche besitzt eine fast tausendjährige Geschichte. Ein erster Bau wurde bereits 1060 errichtet und nach einer größeren Umgestaltung 1759 neu geweiht. Das Gotteshaus weist teilweise gotische Stilelemente auf und gilt als eines der schönsten Gebäude des Ortes.
Die Gemeinde vor Ort ist recht groß, ihre aktiven Mitglieder gestalten das Gemeindeleben ebenso wir die ansässigen Ortsvereine. Das führt zu stets gut besuchte Gottesdienste und einer regen Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an der Gemeindearbeit. Der Heimatverein Giersleben veranstaltet gemeinsame Sommerfest von Kirchgemeinde und Verein.
Giersleben liegt im Tal der unteren Wipper und wurde bereits 937 unter dem Namen „Gereslevo“ in einer Urkunde Otto des I. erstmals erwähnt. Heute hat die Gemeinde etwa 905 Einwohner und ist Teil der Verbandsgemeinde Saale-Wipper. Die Region ist durch fruchtbare Böden der Magdeburger Börde geprägt und wird landwirtschaftlich intensiv genutzt.