„Kirche des Monats Juli 2026“ in Weltewitz
Ungewöhnlich groß ist die Weltewitzer Dorfkirche. Die Holzbänke darin bieten Sitzmöglichkeiten für 300 Menschen. Dafür gibt es historische Gründe, sagt Pfarrer Friedemann Krumbiegel: In vorreformatorischen Zeiten war die Saalkirche im Landkreis Nordsachsen als „Propstei“ zentraler Anlaufpunkt auch für Besucherinnen und Besucher aus umliegenden Dörfern. Und obwohl inzwischen fast jedes Dorf (noch) eine eigene Kirche hat – Krumbiegel ist für elf davon zuständig – gibt es durchaus Gelegenheiten, zu denen dieser Platz in Weltewitz benötigt wird, betont er.
Das gilt natürlich für die Gottesdienste an Weihnachten, aber auch bei Konfirmationen. „Und Musik funktioniert sehr gut!“ Es gibt musikalische Andachten und die „Weltewitzer Kirchen Musiken“, deren Erfolg zu großen Teilen der historischen Orgel in der Dorfkirche zu verdanken ist (erbaut im Jahr 1722 von Johann Jakob Donati, „der zur zweiten Garnitur der weltbesten Orgelbauer nach Gottfried Silbermann gehört“).
Sehr großer Beliebtheit erfreut sich auch der Projektchor, der sich jeden Herbst zusammenfindet, ein Programm erarbeitet und dieses – meist im Advent – stimmgewaltig darbietet. Viele Menschen, die nicht der Kirche angehören, singen begeistert mit, weiß Krumbiegel, „und alle bringen dann Freunde und Familie zu den Konzerten – und wieder ist die Kirche gut gefüllt“.
Einen guten Draht hat die Gemeinde auch zur örtlichen Grundschule. Regelmäßig sind sechs- bis elfjährige Schülerinnen und Schüler zu Gast in der Dorfkirche, „mit der Gemeindepädagogin bleiben sie einen ganzen Tag dort und schauen sich alles genau an“.
In diesen Tagen allerdings kann das Kircheninnere nicht vollständig erkundet werden – und das gilt nicht nur für Wissensdurstige im Grundschulalter. Die Emporen an der West- und Nordseite schwächeln: Sie sind abgesackt. Die obere Empore ist komplett gesperrt, die untere, auf der sich auch die Orgel befindet, notdürftig mit Stützpfeilern „gerade noch benutzbar“ gemacht. „Erst wenn die Emporen wieder intakt sind, haben wir genügend Platz für 300 Personen“, weiß der Pfarrer.

Dorfkirche Weltewitz

Dorfkirche Weltewitz

Dorfkirche Weltewitz

Dorfkirche Weltewitz

Dorfkirche Weltewitz
Die Dorfkirche in Weltewitz stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, ein genaues Erbauungsjahr ist nicht gesichert. Der im Kern spätgotische Bau wurde um das Jahr 1694 nach Osten verlängert; aus diesem Jahr stammt auch die fünfseitige Kanzel an der Südwand. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts restaurierte die Gemeinde ihr Gotteshaus umfassend.
Auch heute ist das aus verputzten Feld- und Bruchsteinen bestehende Gebäude eigentlich bestens in Schuss: In den vergangenen Jahren hat die Gemeinde das Äußere von Kirchenschiff und Westturm erneut instand setzen lassen. Nun ist noch ein letzter Sanierungsschritt nötig, der neben den Emporen auch den Dielenboden und das Kirchengestühl umfasst. „Es wackelt überall“, weiß Friedemann Krumbiegel; das Holz ist durch Insektenbefall und auch das feuchte Raumklima angegriffen, die Bänke sind nicht mehr standsicher.
Die Handwerker werden im Herbst mit den finalen Arbeiten beginnen, meint der Pfarrer. Um den gesamten Prozess der Sanierung – und natürlich auch um Spenden – kümmert sich ein vierköpfiger „Beirat“, eine Auskoppelung des Gemeindekirchenrates gewissermaßen, dessen Mitglieder vorangehen, aber von vielen Weltewitzern unterstützt werden. „Das betrifft Putzaktionen in der Kirche, Benefizveranstaltungen wie das Konzert des Projektchores oder andere Aufführungen der Weltewitzer Kirchen Musiken.“ Für die vielen Veranstaltungen hat die Gemeinde eigens eine mobile Tribüne angeschafft; „allein für ihren Aufbau braucht es eine Menge helfender Hände“, sagt Krumbiegel. Klar ist: Hier wollen viele, dass die Kirche im Dorf bleibt. „Ohne diese Unterstützung würde der Beirat das nicht schaffen.“
Ein weiteres Beispiel für den Gemeinschaftsgeist in Weltewitz ist der jährliche Martinsmarkt und -Umzug, den die Gemeinde zusammen mit der Schule und der Freiwilligen Feuerwehr organisiert. „Das ist eine Riesenaktion.“ Der Erlös wird geschwisterlich gedrittelt. Knapp 166.000 Euro braucht die Gemeinde für den Abschluss der Kirchenrestaurierung, die dann insgesamt rund 685.000 Euro gekostet hat. Die Stiftung KiBa fördert ihre „Kirche des Monats Juli 2026“ mit 20.000 Euro.