Barocker Glanz auf der „Insel“
Dachsanierung der Dorfkirche Werder abgeschlossen
Mehr als nur ein neues Dach
Nachdem mit ersten Planungen für die Dachsanierung bereits 2020 begonnen wurden, konnten die eigentlichen Bauarbeiten erst im Juni 2023 starten. Was zunächst als reine Dachsanierung geplant war, entpuppte sich – wie so oft bei historischen Kirchen – als ein durchaus komplexes Unterfangen. Erst nach dem Abtragen der alten Deckung kamen die wahren Schäden an den Balkenköpfen und Holzschwellen ans Licht.
Bevor die Handwerker loslegen konnten, musste erst einmal flächendeckend Vogelkot entsorgt und die Dachdecke gereinigt werden – die sogenannte „Schmutzarbeit“. Zum Schutz der wertvollen Innenausstattung waren Orgel, Altar und Kanzel vorher sorgfältig eingehaust worden.
Die Zimmerer leisteten Maßarbeit im Gebälk. Geschädigte Balkenköpfe und Schwellen – das sind die waagerechten Holzbalken, auf denen die ganze Konstruktion lastet – wurden ersetzt. Für mehr Stabilität gegen Windlast baute man hölzerne Windrispen ein, diagonale Holzstreben, die für die nötige Längsaussteifung sorgen. Die fehlte dem Dachstuhl nämlich.
Das Dach wurde mit klassischen Kirchenbibern in Kronendeckung neu eingedeckt. Auch die Dachgauben erhielten neue Anschlüsse aus Zinkblech. An der Fassade repariert man die Gesimse als Stickarbeit und passte sie farblich mit einer Silikat-Lasur an.

Nordansicht nach der Dachsanierung

Anischt von Südost, Chor nach der Dachsanierung

Sanierte Dachbekrönung

Sanierte Dachgaube auf der Nordseite mit restauriertem Stahlfenster

Ergänzte Dachrinne und Versprung der Dachfläche zwischen Schiff und Chor

Sanierung der Deckenbalken an der Nordseite

Innengerüst zur Sanierung der Holzbalkendecke
Nach über einem Jahr Bauzeit wurden die Arbeiten am 29. August 2024 erfolgreich abgeschlossen. Knapp 200.000 Euro hat die Sanierung am Ende gekostet. Gute 40% der Finanzierung liefen über das Landesförderinstitut (LFI) Mecklenburg-Vorpommern, dem zentralen Förderdienstleister des Bundeslands. 10.000 Euro hat die Stiftung KiBa beigesteuert, ergänzt durch Eigenmittel von Kirchengemeinde und Kirchenkreis.
Aus mehreren Jahrhunderten das Beste
1751 wurde das barocke Gotteshaus aus Feldstein errichtet, die Bauweise aus unbehauenen oder nur grob zugerichtete Natursteinen ist typisch für die Region. Besonders markant ist das Dach der Kirche: An den Seiten befinden jeweils vier kleine Dachgauben, die mit glänzenden Zinkspitzen verziert sind. Der quadratische Westturm ist als Fachwerk ausgeführt. Obenauf sitzt wie ein Hut ein Zeltdach mit einer Laterne.
Die Außenhülle der Kirche gibt sich barock ist, doch die harmonische Ausstattung stammt aus dem 19. Jahrhundert. Noch älter ist der Taufstein, er stammt aus dem 13. Jahrhundert und bezeugt die lange christliche Tradition im Ort. Für den guten Ton sorgt eine kostbar gearbeitete Orgel auf der Empore. Altar, Kanzel und Gestühl bilden eine stilistische Einheit. Ein echter Hingucker ist das Ostfenster: In leuchtenden Farben zeigt es die Auferstehung Christi und trägt das Stifterwappen derer von Maltzahn. Die Adelsfamilie prägte die Region über Jahrhunderte, bis 1956 besaßen sie auch das nahegelegene Gut Wodarg.