Behütet in die Zukunft
Ein neues Dach für St. Sebastian in Mahlsdorf
Frischer Schutz für historisches Gemäuer
Das Dach der Dorfkirche St. Sebastian brauchte dringend einer grundlegenden Erneuerung. Bis zu 200 Jahre als waren einige Dachziegel mittlerweile – und entsprechend verwittert. Einige Wandanschlüsse waren undicht. Die Stiftung KiBa hat das Sanierungsvorhaben im Jahr 2023 mit 15.000 Euro gefördert, um die Substanz des Gotteshauses dauerhaft zu sichern.
Zwischen September und November 2024 wurden die Arbeiten planmäßig ausgeführt. Auf dem nördlichen Dach wurden die vorhandenen Ziegel weitestgehend wiederverwendet und nun vollständig in stabiler Doppeldeckung neu verlegt. Um den konstruktiven Bautenschutz nachhaltig zu verbessern, hoben die Handwerker die Dachflächen zum aufgehenden Mauerwerk des Westturms sowie zur östlichen Giebelwand des Kirchenschiffs leicht an. Ergänzend wurde der Dachüberstand geringfügig vergrößert, um das romanische Feldsteinmauerwerk künftig noch besser vor Schlagregen zu schützen.
Das historische Dachtragwerk erwies sich bei der vorherigen Überprüfung weitgehend als intakt. Lediglich an einem Sparren des nördlichen Schiffsdachs musste eine Schadstelle behoben werden: Der untere Sparrenabschnitt wurde fachgerecht mittels einer Anblattung erneuert. Kleinere Unebenheiten in der Dachfläche wurden ausgeglichen, indem man die vorhandenen Dachsparren an einzelnen Stellen durch zusätzlich aufgebrachte Holzstücke verstärkt hat.
Eine seltene romanische Vollanlage
Die Mahlsdorfer Kirche gehört zu den architektonischen Kostbarkeiten der Altmark. Der romanische Feldsteinbau wurde um 1220 errichtet (anderen Überlieferungen zufolge erst gegen Ende des 12. Jahrhunderts). Bemerkenswert ist der Grundriss: Mit ihren vier klar voneinander abgegrenzten Bauteilen – dem niedrigen Westquerturm, dem Kirchenschiff, dem eingezogenen Chor und der abschließenden halbrunden Apsis – stellt sie eine vollständige romanische Anlage dar, wie sie in dieser Geschlossenheit nur selten erhalten ist. Überspannt wird das Innere des Gotteshauses von einem Kreuzgratgewölbe.
Die Kirche wurde vermutlich auf dem Areal einer vorchristlichen frühzeitlichen Kultstätte erbaut. Darauf weisen nicht nur der Ortsname – die Silbe „Mal“ stand oft im Zusammenhang mit alten Kultplätzen –, sondern auch Steinkonstellationen um die Kirche sowie ein früher dort vorhandener, stuhlförmiger Muldenstein hin.
Dank der abgeschlossenen Dacheindeckung ist St. Sebastian nun bestens gewappnet, um als geistliches und kulturelles Zentrum des Dorfes viele weitere Generationen zu überdauern.
Kunsthistorische Schätze im Inneren
Hinter den trutzigen Feldsteinmauern birgt St. Sebastian eine beachtliche Ausstattung aus mehreren Epochen sakraler Kunst. Am Fragment des ehemaligen Triumphbogens wacht die geschnitzte Figur des Kirchenpatrons, des Heiligen Sebastian, die auf 1480 datiert ist. Den Altar zieren Teile eines spätgotischen Schnitzaltars samt Sakramentsnische, ergänzt um Darstellungen der vier Evangelisten aus dem 17. Jahrhundert. Über dem Eingangsbereich sind Reste historischer, teils überdeckter Wandmalereien erhalten, auf denen eine Kreuzigungsgruppe zu erkennen ist. Die hölzerne Kanzel, das Gemeindegestühl sowie die Westempore stammen aus dem Jahr 1694 und verleihen dem Raum seine warme Atmosphäre.
Verwurzelt im Herzen der Altmark
Beheimatet ist St. Sebastian im altmärkischen Mahlsdorf, einem früheren Straßendorf, das rund acht Kilometer südöstlich der Hansestadt Salzwedel am Benkendorfer Vorfluther und Mahlsdorfer Graben liegt. Gemeinsam mit Maxdorf bildet Mahlsdorf eine Ortschaft der Hansestadt Salzwedel in Sachsen-Anhalt und zählt knapp 300 Einwohner.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Siedlung 1279 als Malstorp, weil die brandenburgischen Markgrafen Otto und Albrecht dem Nonnenkloster in Diesdorf Einkünfte aus dem Dorf stifteten. Die Wurzeln der Familie von Mahlsdorf reichen noch etwas weiter zurück: Bereits 1247 wurde Helmvico de malestorp urkundlich bezeugt. Die Herren von Mahlsdorf zählten damals zu den Begründern der Salzwedeler Neustadt. Es wird vermutet, dass dasselbe Adelsgeschlecht im Zuge der mittelalterlichen Ostsiedlung auch das heutige Berlin-Mahlsdorf gründete.