Gute Nachrichten aus Eschweiler
Komplexe Turm- und Innenraumsanierung an der Dreieinigkeitskirche
Seit September 2022 ist die Dreieinigkeitskirche Schauplatz einer umfassenden Sanierungs- und Instandsetzungsmaßnahme. In drei großen Bauabschnitten wird das historische Bauwerk für die Zukunft gesichert. Dabei geht es nicht nur um die Optik, sondern vor allem um die Statik und den Schutz der Bausubstanz vor weiteren Verfällen.
Der Kampf gegen die Risse
Vor Beginn der eigentlichen Arbeiten stand die Sicherung der Turmfundamente im Fokus. Um festzustellen, ob sich das Gebäude noch bewegt – man also mit weiterer Rissbildung rechnen muss – wurde ein so genanntes Rissmonitoring installiert. Das ist ein kompliziertes Verfahren, bei dem Sensoren oder Messmarken kleinste Veränderungen im Mauerwerk erfassen und aufzeichnen. Die gute Nachricht: Nach der erfolgreichen Fundamentertüchtigung im ersten Halbjahr 2023 ist die Rissbildung tatsächlich zum Stillstand gekommen. Parallel dazu wurden Blitzschutzanlagen installiert und Grundleitungen erneuert.
Steinmetzkunst in luftiger Höhe
Im zweiten Bauabschnitt (bis November 2024) begannen die Arbeiten am Kirchturm. Dazu wurden aufwendige Gerüste gestellt, um die Zwerchgiebel und Fialen zu sanieren. Zwerchgiebel stehen quer zum Hauptdach und schließen bündig mit der Außenwand ab.
Vier der Fialtürme wurden komplett neu aufgemauert. Zudem wurden die Leibungen (das sind die inneren Wandflächen) der neuen Rosettenfenster fachgerecht wieder hergestellt. Überdies wurden die Schallluken umfassend saniert. Schalluken sind besonders wichtig, denn sie sollen den Klang der Glocken nach außen lassen und gleichzeitig das Eindringen von Regen verhindern.
Ein neues Dach über dem Kirchenschiff
Seit November 2024 konzentrieren sich die Arbeiten auf den dritten und finalen Bauabschnitt: das Kirchenschiff und das Dach. Im Innenraum wurde zunächst die Orgel „eingehaust“, um sie vor Baustaub zu schützen.
Die Dacharbeiten stellten eine besondere Herausforderung dar, denn aus statischen Gründen mussten die Holzquerschnitte der Lattung vergrößert werden. Das bedeutete, dass die tragenden Hölzer, auf denen die Dachziegel aufliegen, dicker und stabiler ausgeführt werden mussten, was wiederum Anpassungen an den Randbohlen erforderte. Auf Wunsch der Denkmalpflege wurden zudem spezielle Firstziegel und Dachfenster nachbemustert, um dem historischen Erscheinungsbild gerecht zu werden.

Neuer Zwerchgiebel (Juni 2024)

Neu eingefasste Rundöffnung (Juni 2024)

Arbeiten an den Fialtürmen (Juni 2024)

Neuer Fialturm (Juni 2024)

Fertiggestellter Kirchturm im Oktober 2024
Ein Blick zurück
Die Wurzeln der evangelischen Gemeinde in Eschweiler reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. In einer Zeit religiöser Spannungen feierten die Gläubigen ihre Gottesdienste oft im Geheimen auf umliegenden Adelssitzen. 1788 entstand an der Wollenweberstraße der erste evangelische Kirchenbau Eschweilers. Im 19. Jahrhundert wuchs die Gemeine stark an und ein (repräsentativer) Neubau wurde notwendig.
Nachdem die Mittel durch Spenden gesichert waren, wurde 1890 der Grundstein für die heutige Kirche am Martin-Luther-Platz gelegt; zwei Jahre später, am 4. Februar 1892, folgte die feierliche Einweihung. Bis 1957 trug die Kirche noch den Namen Lutherkirche, bevor sie in Dreieinigkeitskirche umbenannt wurde. Seit 1973 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz.
Neugotik nach Plan
Entworfen wurde die Kirche vom Kölner Architekten August Albes, einem Schüler des berühmten Conrad Wilhelm Hase. Er gestaltete sie als Hallenkirche im neugotischen Stil.
Besonders markant ist der Westturm, der über einem quadratischen Grundriss in ein achteckiges Obergeschoss übergeht. Bei einer Renovierung im Jahr 1968 wurde der Innenraum zeitweise modern-weiß gestrichen, aber 1990 stellte man die ursprüngliche Backsteinsichtigkeit von Säulen und Bögen sowie die dezenten ornamentalen Bemalungen wieder her.
Schätze im Inneren
Die ursprünglichen Bleiglasfenster der Dreieinigkeitskirche fielen dem 2. Weltkrieg zum Opfer. Die heutigen farbenprächtigen Ornamentalfenster im Chor mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament wurden von der Künstlerin Maria Katzgrau entworfen und ab 1948 eingebaut.
Die Gemeinde besitzt wertvolle Silberschmiedearbeiten. Das Taufgeschirr aus dem Rokoko (1758) und ein Abendmahlskelch (auf die Zeit um 1600 datiert) zählen zu den ältesten und kostbarsten Stücken der Ausstattung.
Die heutige Orgel stammt aus der Werkstatt Beckerath und wurde 1990 um Stil des norddeutschen Orgelbarock gebaut. Das Instrument wurde 2019 erweitert, um auch romantische Klangfarben aus dem 19. und 20. Jahrhunderts sowie spanische Trompetenklänge erklingen zu lassen.
Die Glocken sind ein kleines Wunder der Geschichte. Nachdem die ursprünglichen Glocken im 1. Weltkrieg abgegeben werden mussten, bekam die Kirche 1925 vier neue Bronzeglocken. Auch die wurden im nächsten Weltkrieg konfisziert, wurden aber kurz nach Kriegsende durch Zufall in einem Lager in Stolberg wiederentdeckt. Seit dem Weihnachten 1945 klingen sie wieder über Eschweiler.
Rückschläge und Zielgerade
Trotz eines schweren Sturmschadens im Juli 2024, der Gerüste, Fenster und Mauerwerk in Mitleidenschaft zog, schreiten die Arbeiten dank einer stabilen Wetterlage gut voran. Bis zum Stichtag Ende Januar 2025 wurden bereits rund 1,5 Millionen Euro investiert. Die Stiftung KiBa hat 2022 und 2023 zusammen 55.000 Euro bereitgestellt.
Wenn alles nach Plan läuft, sollen die Arbeiten an der Dreieinigkeitskirche im August 2025 abgeschlossen sein, damit das Gotteshaus der Gemeinde wieder uneingeschränkt und in vollem Glanz zur Verfügung steht.