„Die mit der Orgel“
Johannes der Täufer Drakenburg
Unweit der Kreisstadt Nienburg liegt der niedersächsische Flecken Drakenburg. Der Name klingt nach einem Drachen – doch viel wahrscheinlicher ist das mitteldeutsche „Drake“ oder „Dragge“, was „Anker“ oder „Klammer“ bedeutet. Hier steht St. Johannis der Täufer, ein wunderbares Beispiel der Backsteingotik und beredtes Zeugnis regionaler Baugeschichte.
Architektur und Baugeschichte
St. Johannis wurde ab dem 13. Jahrhundert in mehreren Abschnitten errichtet und ist heute durch die charakteristischen Strebepfeiler geprägt, die vor allem am Chor zur statischen Sicherung nachträglich verstärkt wurden. Die beiden westlichen Joche des Kirchenschiffs sind die ältesten und wurden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut. Zwischen 1475 und 1480 wurde der heutige, polygonal abgeschlossene Chor angefügt.
Auffällig ist die Platzierung des Westturms: Er steht asymmetrisch vor der Westfassade, um deren kunstvollen Blendengiebel nicht zu verdecken. Auch im Inneren gibt es eine bauliche Besonderheit zu entdecken: Eine tief herabgezogene doppelte Arkade zwischen West- und Mitteljoch lässt die eigentlich einschiffige Saalkirche fast wie eine Hallenkirche wirken. Die anliegende Sakristei im romanischen Stil aus Sandsteinmauerwerk stand ursprünglich frei. Möglicherweise ist sie älter als das Kirchenschiff.
Ausstattung und Innenraum
Im Innenraum finden sich wertvolle Kunstschätze aus verschiedenen Epochen. Dazu zählt ein prachtvoller barocker Altar, auf dem biblische Szenen wie der Sündenfall, die Kreuzigung und die Auferstehung Christi dargestellt sind. Die ebenfalls barocke Kanzel ist mit farbigen Darstellungen der vier Evangelisten geschmückt, der Schalldeckel wird von einer Pelikanfigur bekrönt. An der Decke findet sich eine Malerei der Majestas Domini, die um 1960 restauriert wurde. Geschichtlich bedeutsam sind zudem die Grabplatten ansässiger Adelsgeschlechter aus der Spätgotik und Renaissance.

St.-Johannis-der-Täufer Drakenburg im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St.-Johannis-der-Täufer Drakenburg im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St.-Johannis-der-Täufer Drakenburg im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St.-Johannis-der-Täufer Drakenburg im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St.-Johannis-der-Täufer Drakenburg im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St.-Johannis-der-Täufer Drakenburg im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)
Die Orgel
Das erste Instrument aus den Jahren 1592/96 fiel dem großen Stadtbrand von 1627 zum Opfer. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurden Teile einer älteren Orgel (erbaut 1562 von Cornelis und Michael Slegel für die Martinskirche in Nienburg) durch Hermann Kröger nach Drakenburg gebracht.
Die heutige Orgel in ihrem fünfachsigen, klassizistischen Prospekt wurde 1843 von Ernst Wilhelm Meyer mit zehn Registern, einem Manual mit Pedal neu erbaut. Meyer verwendete einen Teil der Pfeifen der Vorgängerin – deswegen besitzt die Drakenburger Orgel heute die ältesten Pfeifen in ganz Niedersachsen. 2024 hat die Stiftung Orgelklang die Sicherung der Bespielbarkeit unterstützt.
Geschichte zwischen Burg und Weser
Drakenburg ist ein Flecken in der Samtgemeinde Heemsen und wurde bereits 1025 als Demeborg erwähnt. Der Name leitet sich vermutlich von „Anker“ oder „Klammer“ ab –nicht etwa vom „Drachen“ – und beschreibt die Funktion der ursprünglichen Drakenburg als Sperr- und Zollbefestigung zur Kontrolle des Weserfurt. Von dieser mittelalterlichen Burg ist heute nichts mehr erhalten; ihre Überreste wurden vermutlich im 17. Jahrhundert durch ein Hochwasser abgetragen.
In der „Schlacht bei Drakenburg“ besiegten 1547 die Truppen des Schmalkaldischen Bundes Herzog Erich II. zu Braunschweig-Lüneburg, der sich nur retten konnte, indem er durch die Weser schwamm. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Drakenburg 1627 fast vollständig niedergebrannt, um den kaiserlichen Truppen unter Johann T’Serclaes von Tilly den Rückhalt zu nehmen. Heute zeugen Bauwerke der Weserrenaissance, wie das prachtvolle Portal des ehemaligen Schlosses, von der einstigen Bedeutung Drakenburgs.
In jüngerer Erinnerung geblieben ist das Weihnachtshochwasser 2023/2024 mit einem historischen Wasserstand von 8,34m.
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