„So viel schöner“
Innensanierung der Dorfkirche Alt Plestlin fertiggestellt
Tief im Landkreis Vorpommern-Greifswald in der idyllischen Gemeinde Bentzin steht die schmucke Dorfkirche Alt Plestlin. Die Geschichte dieses architektonischen Kleinods reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Dank der Unterstützung der Stiftung KiBa erstrahlt das Gotteshaus wieder in vollem Glanz.
Ein Kraftakt für das Hauptschiff
Nachdem bereits 2017 die Außenhaut und der Turm saniert wurden – ebenfalls mit KiBa-beteiligung – ging es den beiden Folgejahren um die Innensanierung des Kirchenschiffes. Nicht zuletzt dank einer Förderung von 10.000 Euro konnten umfangreiche Maßnahmen umgesetzt werden.
Ein besonderes Augenmerk galt dem Fußboden. Das historische Ziegelsteinpflaster war in Teilen sichtbar abgesackt. Die Ziegel wurden zunächst behutsam ausgebaut und der Unterbau anschließend komplett erneuert. Im Anschluss konnten die originalen Bestandsziegel wieder fachgerecht verlegt werden. Diese Arbeiten wurden sogar archäologisch begleitet.
Auch das Kirchengestühl wurde vollständig ausgebaut und in einer Fachwerkstatt aufgearbeitet, die morschen Schwellenhölzer wurden dabei ersetzt. Auch die tragende Konstruktion der Orgelempore und die Holzbalkendecke wurden saniert und statisch ertüchtigt.

Kirchenschiff (nach Westen) mit Gestühl und Orgelempore. Die abgesackten Ziegel sind gut erkennbar.

Während der Sanierung

Während der Sanierung

Während der Sanierung

Nach der Sanierung: Kirchenschiff (Blick nach Westen)

Nach der Sanierung: Kirchenschiff (Blick nach Osten)
Alle Fenster wurden demontiert, in der Werkstatt überarbeitet, neu verglast und farblich gefasst – ebenso wie die Türen. Im Innenraum wurden die Putzflächen gefestigt, Risse geschlossen sowie die Decken- und Wandflächen unter restauratorischer Aufsicht neu gestrichen.
Die veraltete und nicht mehr zulässige Elektrik wurde zurückgebaut, die neuen Kabel verlaufen nun fast unsichtbar oberhalb der Decke oder im Fußbodenaufbau.
Ein Gotteshaus mit Geschichte
Die Baugeschichte der Dorfkirche hat vermutlich im 14. Jahrhundert ihren Anfang genommen, der älteste Teil ist der Chor, der in dieser Zeit errichtet wurde. In den folgenden Jahrzehnten kamen der Saal und der Westturm dazu. Im 17. Jahrhundert baute man die Kirche grundlegend um. Segmentbogige Fenster wurden eingezogen, Portale mit Backsteingewänden gebaut und im Osten ein gewalmtes Ziegeldach aufgesetzt. Der quadratische Fachwerkaufsatz des Turms mit seinem schiefergedeckten oktogonalen Spitzhelm stammt ebenfalls aus dieser Zeit.
Innengestaltung und Ausstattung stammen aus verschiedenen Epochen. 1842 wurde eie heutige hölzerne Flachdecke eingezogen, gleichzeitig erweiterte man die Westempore aus dem 17. Jahrhundert. Zu den ältesten Kunstschätzen zählt eine Kreuzigungsgruppe mit einem Korpus um 1300, der Figuren von Maria und Johannes aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, sowie eine Madonna mit Kind aus dem 15. Jahrhundert vereint.
Der Kanzelaltar der Kirche entstand um 1800. Paul Mehmel schuf 1890 die Orgel mit dreiteiligem Prospekt in Neurenaissanceformen mit Rundbögen und kannelierten Pilastern. Das historische Geläut im Turm besteht aus zwei Glocken, die um 1500 beziehungsweise 1603 gegossen wurden.
Bewahrung für die Zukunft
Die Sanierung der Dorfkirche Alt Plestlin zeigt wieder eindrucksvoll, was durch das Zusammenspiel von fachkundigen Architekten, Restauratoren und engagierten Förderern wie der Stiftung KiBa erreicht werden kann. So viel schöner sieht die Kirche nun aus – sowohl von außen als auch von innen. Dabei steht viel mehr als nur die reine Optik im Vordergrund, letztendlich geht es um die Bewahrung eines spirituellen und kulturellen Ankers in der Region Vorpommern.
Dank der abgeschlossenen Maßnahmen am Hauptschiff ist die Kirche nun bestens gerüstet, um auch den kommenden Generationen als Ort der Besinnung und Begegnung zu dienen.