Ein neubarockes Kleinod in Brandenburg
Sanierung der Hoffnungskirche Groß Leine
In der idyllischen Landschaft des Landkreises Dahme-Spreewald steht in Groß Leine ein sakrales Baudenkmal von besonderer Eigenart. Die im Kern mittelalterliche Hoffnungskirche zeigt sich heute in prächtiger neubarocker Gestalt. Doch das Bauwerk war akut gefährdet und eine Sanierung dringend erforderlich.
Wenn das Gebälk nachgibt
Anfang des 20. Jahrhunderts hatte man die Kirche umgebaut. Seitdem nagte der Zahn der Zeit massiv an der Bausubstanz. 2018 bröckelte der Außenputz großflächig ab. Die eigentliche Gefahr lauerte jedoch tief im Verborgenen: Geschädigte Schwellen, Rähme und Konstruktionshölzer unterhalb der Dachfläche beeinträchtigten die Stabilität der tragenden Fachwerkkonstruktion und des Dachstuhls. Auch das Mauerwerk innerhalb der Mauerkrone wies erhebliche Schäden auf.
Traditionelle Methoden
Die Sanierung konzentrierte sich im ersten Bauabschnitt vor allem auf das Kirchenschiff und die Anbauten. Um die historische Substanz zu bewahren, wurden geschädigte Holzteile wie Sparrenfüße und Aufschieblinge entweder komplett ersetzt oder durch passgenaue Ersatzstücke ergänzt. Das funktioniert ganz ohne Metall, traditionelle Blatt- und Zapfenverbindungen sowie Holznägel kamen dabei zum Einsatz.
Das Dachfläche über dem Schiff wurde mit neuen Biberschwanzziegeln eingedeckt, die Anbauten mit Bestandsziegeln. Die aufgemauerten Giebel wurden instand gesetzt und mit Zinkblech geschützt. Ein besonderes Detail: die erneuerte Gaubenverkleidung dient nun als Fledermauseinflug, um den gefiederten Bewohnern des Kirchturms weiterhin Schutz zu bieten.

Hoffnungskirche Groß Leuthen und Umland Groß Leine

Hoffnungskirche Groß Leuthen und Umland Groß Leine

Hoffnungskirche Groß Leuthen und Umland Groß Leine

Hoffnungskirche Groß Leuthen und Umland Groß Leine

Hoffnungskirche Groß Leuthen und Umland Groß Leine

Hoffnungskirche Groß Leuthen und Umland Groß Leine

Hoffnungskirche Groß Leuthen und Umland Groß Leine

Hoffnungskirche Groß Leuthen und Umland Groß Leine
Ein Dorf mit Geschichte - und mit Fisch im Namen
Groß Leine wurde 1346 erstmals urkundlich als „Leyn“ erwähnt. Der Name leitet sich vermutlich vom altsorbischen Wort für die Schleie ab – einem karpfenartigen Fisch –, was auf einen ehemals fischreichen See in einer nahen Schmelzwasserrinne hindeutet. Die Schleie ist ein geschätzter Speisefisch und gilt als schmackhafter als der Karpfen.
Jahrhundertelang prägten wechselnde Adelsgeschlechter wie die von Zabeltitz oder die von Zittwitz das Dorfleben und die Geschicke des Gutes. Ein markantes Wahrzeichen des Ortes ist neben der Hoffnungskirche der Rest einer historischen Holländerwindmühle, der an die landwirtschaftliche Tradition erinnert.
Die Kirche: Mittelalter trifft Jugendstil
Das Gotteshaus wurde im Kern bereits im 15. Jahrhundert aus Feldsteinen und Mischmauerwerk errichtet. Das heutige Erscheinungsbild verdankt die Kirche jedoch einer radikalen Umgestaltung in den Jahren 1906-1910 unter der Leitung von Wilhelm Blaue. Aus praktischen Gründen wurde der Innenraum dabei „gewestet“ – der Altar also im Westen aufgestellt.
Die Ausstattung ist sehenswert. Im Altar in Form einer Ädikula – ein Aufbau, der an eine Tempelfront erinnert – sind Reliefs eines Schnitzaltars aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts integriert: Zentral steht die Beweinung Christi, an den reich mit Knorpelwerk verzierten Seiten sind Szenen aus der Passion zu sehen. Im unteren Teil ist das Abendmahl dargestellt, im oberen Abschluss die Auferstehung. Eine Freifigur Jesus und palmenzweigtragende Engel krönen den Altaraufsatz.
Den Blick nach oben belohnt ein hölzernes Tonnengewölbe, das mit geometrischen Elementen und Wolkenmotiven im Jugendstil ausgemalt ist. Dabei schafft die Jugendstil-Optik eine einzigartige Verbindung zwischen der historischen Bausubstanz und der künstlerischen Formsprache des frühen 20. Jahrhunderts. In der Vorhalle steht Sandsteinepitaph von 1625 für Sara von Zitzwitz aus der einstigen Patronatsfamilie.