Stein für Stein in die Zukunft
Sanierung der Stadtkirche Bad Cannstatt im Zeitplan
An der Stadtkirche Bad Cannstatt lässt sich die Kunst der Steinmetze in ihrer ganzen Vielfalt erkennen: Wer das Mauerwerk aufmerksam betrachtet, entdeckt eine Vielzahl unterschiedlicher Steinarten, von massivem Travertin am Turm bis hin zum charakteristischen, grünlich-gelben Schilfsandstein. Die verschiedenen Materialien und Bearbeitungstechniken geben Aufschluss über die einzelnen Bauabschnitte.
Präzise Bestandsaufnahme als Fundament
Bevor die eigentlichen Arbeiten an Fassade und Turm beginnen konnten, ist eine umfassende Schadenskartierung notwendig. Dabei untersuchen Experten jeden Stein auf seine bauphysikalische Funktion – etwa ob er statische Bedeutung hat oder der Wasserführung dient. Denn das oberste Gebot der Denkmalpflege lautet nun einmal, so viel historische Substanz wie möglich zu erhalten. Wo Steine zu stark verwittert sind, wird abgewogen, ob sie konserviert werden können oder komplett erneuert werden müssen.
Die größten Sorgenkinder: Turm und Fugen
Als besonders kritisch erwies sich der Turmumgang. Die bei früheren Sanierungen in den 1960er Jahren verwendeten Beton-Estriche haben sich langfristig nicht bewährt: Der Beton ist defekt und das darunterliegende Natursteinmaterial so stark verwittert, dass ein kompletter Austausch unvermeidlich ist. Auch die filigranen Kreuzblumen an den Strebepfeilern sind teilweise massiv beschädigt. Eine oftmals unterschätzte Gefahr stellen zudem defekte Fugen dar: Sie sind genau die Stellen, an denen Feuchtigkeit eindringen und das umliegende Gestein zerstören kann.
Moderne Technik im Dienst der Geschichte
Bei der Restaurierung kommen moderne Verfahren zum Einsatz kommen. So wurde die Fassade bereits im Niederdruckpartikelstrahlverfahren gereinigt, um Krusten und Staub sanft zu entfernen und die Poren des Steins für die anschließende Konservierung zu öffnen. Gleichzeitig werden im Labor Proben analysiert, um den historischen Fugenmörtel exakt nachzumischen. Für Bastian Bischoff, dessen Firma die Konservierung vorbereitet, ist die Arbeit an der jahrhundertealten Kirche eine Herzensangelegenheit: Es gehe darum, das Bewusstsein für historische Arbeitsweisen zu schärfen und wichtige Kulturgüter für künftige Generationen zu bewahren.
Fortschritt im Einklang mit der Natur
Die Arbeiten schreiten planmäßig voran. Im vergangenen Jahr wurde bereits die Westfassade bearbeitet, jetzt können die umfassenden Maßnahmen am Turm beginnen – man musste erst die Brutzeit der hier nistenden Turmfalken abwarten. Während der Winterpause produzieren die Werkstätten neue Kragplatten, die bei passender Witterung eingebaut werden. Erfreuliche Gute Nachrichten gibt es von der Wandmalerei über dem Hauptportal: Untersuchungen haben ergeben, dass hier keine größeren Reparaturen notwendig sind, da keine Feuchtigkeit eingedrungen ist.
Die „Zeit-Spende“ der Gemeinde
Die Sanierung der Stadtkirche wird von der Gemeinde mit viel Einsatz mitgetragen. Mit der so genannten „Zeit-Spende“ engagieren sich viele Bürger ehrenamtlich. Ein Beispiel ist das Niklasmarkt-Team, das durch seinen Einsatz in der Adventszeit aktiv zur Unterstützung der Sanierungsmaßnahmen beigetragen hat. Dieser Zusammenhalt zeigt, dass die Bewahrung der Stadtkirche eine Gemeinschaftsaufgabe ist, die weit über das handwerkliche Maß hinausgeht.
Die Stiftung KiBa fördert die Maßnahmen an der Stadtkirche Bad Cannstatt mit 10.000 Euro.
- Juni 2026: Von historischer Bausubstanz und moderner Formsprache
Fassadensanierung an der Stadtkirche Bad Cannstatt ist abgeschlossen