St. Martin Nendorf (Niedersachsen)
St. Martin Nendorf (Niedersachsen)

„Die ehemalige Klosterkirche“

St. Martin Nendorf

Vom Kloster zur lutherischen Gemeinde

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche und des Ortes stammt aus dem Jahr 1200, als Bischof Thietmar von Minden die Einrichtung eines Benediktinerinnenklosters bestätigte. Die Gründung geht auf den Priester Symon (oder Simon) zurück, der Ländereien stiftete, um eine wirtschaftliche Basis für das Kloster zu schaffen. Das Kloster war der Maria und dem Heiligen Martin gewidmet.

Mit Einführung der Reformation in der Grafschaft Hoya um 1525 endete das klösterliche Leben. Das Kloster wurde schließlich aufgelöst, und bis auf die Kirche wurden alle Gebäude abgerissen. 1542 wurde mit Cord Oite der erste lutherische Prediger in Nendorf erwähnt.

Ein barocker Umbau auf altem Fundament

Vom ursprünglichen mittelalterlichen Baubestand ist heute nur noch sehr wenig erhalten. Die einstige spätmittelalterliche, einschiffige Klosterkirche aus dem 15. Jahrhundert verfügte über Außenmauern aus Quader- und Bruchsteinmauerwerk mit Strebepfeilern, die teilweise überdauert haben.

Ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt die Kirche einem umfassenden Umbau in den Jahren 1787 bis 1788. Da sich die Kirche damals in einem „beklagenswerten Anblick“ befand, wurde sie nach Plänen des Landbauverwalters Vick aus Stade im Barockstil neu errichtet. Dabei wurde der alte hölzerne Glockenturm, der separat auf dem Kirchhof stand, durch einen massiven steinernen Westturm ersetzt, der direkt auf dem Kirchenbau aufsitzt. Die Kirche wurde so konzipiert, dass sie Platz für bis zu 1.200 Gottesdienstbesucher bot.

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

St. Martin Nendorf im Kreis Nienburg/Weser (Niedersachsen)

auf der Landkarte anzeigen

Kunstvolle Details und eine „Flaschenpost“

Die Inneneinrichtung wurde Ende des 18. Jahrhunderts von dem Bildhauer J.D. Matern und dem Tischler J. Gärtner aus Hannover gestaltet. Ein besonderes Highlight der Ausstattung ist ein Kirchenfenster, das den „Seewandel“ Jesu darstellt und vor allem bei Vormittagssonne eine ganz besondere Leuchtkraft entfaltet.

Eine kuriose Geschichte verbindet sich mit dem heutigen Altar: Der stammt ursprünglich aus einer Kirche in Dannenberg und wurde erst im Dezember 1964 nach Nendorf transportiert und dort aufgebaut. Bei Renovierungsarbeiten im Jahr 1965 hinterließen die beteiligten Handwerker und Gemeindemitglieder eine Nachricht in einer Weinflasche im Baldachin des Altars – eine Art „Flaschenpost“, die erst Jahrzehnte später bei Reinigungsarbeiten wiederentdeckt wurde. In jüngerer Zeit (2022/2023) wurde der Innenraum der Kirche erneut umfassend renoviert.

2019 hat die Stiftung KiBa in Nendorf die Restaurierung von Kanzelaltar und Orgelgehäuse über eine Patenschaftsspende i.H.v. 20.000 Euro gefördert.

Nendorf: Geschichte und Gemeinschaft

Nendorf ist heute ein Ortsteil der Gemeinde Stolzenau im Landkreis Nienburg/Weser. Der Ort liegt verkehrsgünstig an der Bundesstraße 441 zwischen Stolzenau und Uchte. Mit knapp 1.000 Einwohnern verfügt Nendorf über eine eigene Grundschule und einen Kindergarten. Das gesellschaftliche Leben ist neben der Kirchengemeinde durch eine Vielzahl an Vereinen geprägt, darunter die Freiwillige Feuerwehr, ein Heimatverein, diverse Sportvereine sowie ein Shanty-Chor.

Ein bedeutendes archäologisches Ereignis war der Fund von drei römischen Silberbarren mit Inschriften im Jahr 1888, die heute im Landesmuseum Hannover aufbewahrt werden. Bis 1974 war Nendorf eine selbstständige Gemeinde, bevor es im Zuge der Gebietsreform nach Stolzenau eingegliedert wurde.