Kirchbau-Stiftung KiBa - gibt es nicht Wichtigeres?
Vortrag bei der Evangelischen Akademikerschaft Deutschland
Sehr verehrte, liebe Anwesende,
ich vermag nicht zu beginnen, ohne uns jenes weniger als eintausend Kilometer entfernte menschenverachtende Kriegsverbrechen nachdenklich in den Blick zu rücken. Das Gegenteil dazu sind die Werte in der Nachfolge erheischenden Spur des Mannes aus Nazareth. Sie werden meinen Vortrag durchschimmern.
Bei der freundlichen Begrüßung, für die ich aufrichtig danke, wurde ich Spezialist für Kirchbau genannt. Wissen Sie denn, was Ihnen mit solch einem Spezialisten zugemutet wird??
Ein Spezialist versteht von Wenigem sehr viel.
Hat dieser Spezialist sogar studiert
versteht er von noch weniger noch mehr.
Und hat der Kerl gar promoviert,
versteht er von nichts alles…
Aber zur Sache. Wir werden sicher erkennen, dass wir Gelegenheit zu wertendem Erinnern, auch zu beseelter DANKbarkeit haben. Dazu begrüße ich Sie ganz herzlich, sind wir doch alle ein klitze klein wenig verwandt miteinander. Verwandt? Wieso? Ja, weil ich Sie zu jener Großfamilie zählen darf, deren ermutigendes Mitdenken und teilweise Mittun dem so dringlichen Kirchenerhalt gilt. Sonst würden Sie sich jetzt nicht dem eher nebensächlich daherkommenden Vortragsthema zugewandt haben. Das ermutigt mich sogar, Sie als Pflichtverteidiger eminent kostbarer Überkommenschaften zu vereinnahmen.
Lassen Sie mich nach Gründen suchen, wieso der Gegenstand des Vortrages eben doch nicht ganz unwichtig ist.
1. Ein stiftungsgeschichtlicher Rückblick
Stiftungsähnliche Gebilde gab es bereits in der vorchristlichen Antike. Sie sind die älteste Organisationsform gemeinnützigen Tätig seins. Auch in Deutschland sind Stiftungen Teil unserer kulturellen Tradition. Allerdings hat nazi-onal-„sozialistischer“ Ungeist und Machtmissbrauch das Vermögen von rund 100 000 Stiftungen brutal liquidiert. Gegenwärtig sind in der Bundesrepublik Deutschland wieder rund 25 000 Stiftungen tätig.
2. Ein DDR-spezifischer Rückblick auf das Kirchbauwesen
Die Kirchgebäude sind konstitutiver Versammlungsort der christlichen Gemeinde. Sie sind geistliches Zentrum, sichtbares Gedächtnis. und wurden dank treuhänderischer Pflege von Generation zu Generation weiter gegeben. Seit etwa einhundert Jahren zählen sie zu den Juwelen des Denkmalbestandes.
Alle diese Selbstverständlichkeiten wollte die religionsfeindliche, sich anmaßend sozialistisch etikettierende DDR ausmerzen, was den Kirchgemeinden mancherlei Ohnmachtserfahrungen bescherte. Wenn schon der biblische Salomo wusste: Mit Weisheit wird das Haus erbaut und mit Verstand erhalten, wieviel Antiverstand muss da diese vier DDR-Jahrzehnte beherrscht haben…
Die Folge war, dass sich nach unserer Friedlichen Revolution allein in den evangelischen Landeskirchen der ehemaligen DDR ein kirchbaulicher Nachholbedarf von fast 9 Milliarden DM auftürmte. Das beförderte die Sicherung der christlichen Baukultur auf die bundesdeutsche Hitliste geistes- und kulturgeschichtlicher Sachprobleme. Deshalb fand...
3. Bereits 1993 eine Ökumenische Beratung zur Situation des Kirchbaues in den östlichen Bundesländern
...statt; denn trotz exorbitantem Finanztransfer von West nach Ost, der verständlicher Weise zeitlich befristet war, konnte die marode Kirchbau-Landschaft nicht bedarfsgerecht saniert werden.
Diese Begegnung evangelischer und katholischer Kirchbaufachleute der östlichen Bundesländer mit Vertretern der damaligen Bundesregierung fand 1993 im Bischöflichen Ordinariat in Berlin statt. Dort haben wir auf dem Hintergrund einer Analyse der facta und der erkennbaren futura aufgeschrien im Sinn von: Aufrichtigen DANK für alle umfängliche Unterstützung, ABER seht, es reicht nicht! Unwiederbringliche Substanzverluste drohen. Wer zu spät kommt... Wir bitten dringend um weitergehende Hilfe.
Natürlich konnte diesem Hilfeersuchen kurzfristig nicht annähernd entsprochen werden, war doch die größte DDR der Welt von Kap Arkona bis in den Thüringer Wald kaputtregiert. Viele wissen es heute kaum noch oder – wollen es nicht mehr wissen! Aber es wurde beschlossen, eine Fachtagung vorzubereiten, die neben einer Bestandsaufnahme Wege zum wie weiter erschließen helfen sollte.
4. Diese wiederum ökumenische Tagung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in den östlichen Bundesländern...
...fand im April 1995 in der Dresdener Dreikönigskirche statt, die übrigens bis vor vier Jahrzehnten Ruine war, da der verbrecherische Zweite Weltkrieg auf seine Verursächer zurückgeschlagen hatte. Ich durfte Gastgeber dieser Fachtagung sein. Zahlreiche einflussreiche Politiker wie der damalige Bundesbauminister Töpfer und unser sächsischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Meyer nahmen teil.
Auf dieser Fachtagung wurde der ideelle Grundstein für die Kirchbau-Stiftung gelegt. Die dazu wegbereitenden Einsichten waren: Der Staat ist zwar für ein unübersehbares Register von Sachanliegen zuständig, zu denen aber nicht zuerst unsere Kirchgebäude gehören, obwohl diese nach unserem hoch bedeutsamen Grundgesetz Kulturgut der Allgemeinheit sind.
Ähnliches gilt für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Sie ist für die Breitseite aller Kulturdenkmäler zuständig, für die Kirchgebäude also nur unter anderen. Ergo: Wir benötigen dringend eine Stiftung, die sich satzungsgemäß ausschließlich der Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler widmet.
Diese Option fand bei der EKD Aufmerksamkeit; denn es hatte sich herumgesprochen: Mit Redereien allein ist kein Schiff zu bauen, auch kein Kirchenschiff. Nach einer daraufhin seit 1996 auf EKD-Ebene laufenden Vorbereitung, sehr engagiert vorangetrieben durch die Herren OKR Herborg und Bönisch und auch unsere Landeskirche war intensiv eingebunden, fand am 1. November 1997 im Rat der EKD unter dem Schutz unserer staatlichen Rechtsordnung der Urknall für die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland statt. Die Namensgebung wurde der Dresdner Fachtagung entlehnt. Nomen est omen! Später wurde die Stiftung kurz und rationell KiBa genannt.
Dissonant war zunächst lediglich deren territorialer Bezug. Vieles sprach für eine Zuordnung auf die östlichen Bundesländer. Aber - wir alle sind Zeitzeugen und Mitbetroffene fundamentaler Wertewandelprozesse in Denk- und Glaubensangelegenheiten. Wir beklagen galoppierende Wissensdefizite und Gleichgültigkeit zu christlichen Inhalten und Intentionen. Indizien für alles dies liefern das soziale Miteinander, die Auflösungserscheinungen von Ehe und Familie, der Wandel im Umgang mit Sterben, Tod und Bestattungskultur, Begrüßungsformeln und manch anderes.
Daraus folgt ein epochaler Kontinuitätsbruch alles Christlichen. Vier von fünf Menschen haben Gott aus ihrem Leben verbannt. Dazu vermerkt selbst der Atheist Gysi: „Mich ängstigt die heraufziehende gottlose Gesellschaft!“ Da sich diese Entwicklung in Ost- und Westdeutschland tendenziell gleich vollzieht, wenn auch mit zeitlicher Phasenverschiebung, war die dringliche Empfehlung richtig, die Kirchbau-Stiftung für ganz Deutschland zu konzipieren.
Leider scheiterten Bemühungen, die Kirchbau-Stiftung ökumenisch zu etablieren. Die Deutsche Bischofskonferenz votierte lapidar: Die katholische Kirche sei nicht wie die Gliedkirchen der EKD von der Gefahr bedroht, dass Kirchen verfallen… Freilich wissen wir – das Gegenteil ist längst Realität.
5. Gründung eines Fördervereins für die KiBa
In einer bescheidenen EPD-Pressemitteilung hieß es: “Die Förderung der Tätigkeit der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland ist der Zweck eines Fördervereins, der am 19. September 2000 in Berlin gegründet wird“. Dieser Verein interessiert und motiviert Einzelpersonen, Unternehmen, Kirchgemeinden und Institutionen, durch Mitgliedschaft das Stiftungsanliegen voranzubringen zu helfen. Er zählt inzwischen fast 4000 Mitglieder, hat also deutlich an Statur gewonnen, wenngleich er dringend erweiterungsbedürftig ist.
Gemäß Satzung wird der Verein durch gemeinwohlorientiertes bürgerschaftliches Engagement getragen. Er unterstützt das Stiftungsanliegen finanziell. Den Verein prägt das christliche Geheimnis der „Brotvermehrung“, das all unser Sein befördernde Teilen und Abgeben.
Aus dem zarten Stiftungspflänzchen ist über die Jahre ein stattlicher Baum geworden. Das Stiftungsvermögen stieg von zunächst 5 Millionen DM auf rund 30 Millionen . Inzwischen können aus dem Vermögenserlös und durch Spenden bis zu zwei Millionen Euro Fördergelder pro Jahr bereitgestellt werden. Dennoch bleibt zwischen den kirchbaulichen Sanierungserfordernissen und dem möglichen Fördervolumen eine schmerzliche Diskrepanz.
Seit Stiftungsgründung konnten mehr als 1600 Kirchgemeinden mit insgesamt mehr als 35 Millionen Euro Unterstützung erfahren. Die ausgereichten KiBa-Fördermittel gelten im Finanzierungsprozedere als Eigenmittel der jeweiligen Kirchgemeinde, wodurch weitere Finanzunterstützungen akquirierbar sind.
Bereits diese wenigen Zahlen bescheinigen der Kirchbau-Stiftung: Sie ist ein nachhaltiges Instrument öffentlicher Erbe-Mitverantwortung zur Unterstützung der Bauherrin Kirchgemeinde vor Ort. Sie mehrt auch den unverzichtbaren Baustoff Hoffnung; denn: Wer baut, hat Hoffnung. Beispielhaft wird Beispielhaftes geleistet mit dem Ziel, den Kirchen das uns bekannte Schicksal der alten Windmühlen zu ersparen: Einst aller Orten für menschliches Leben unverzichtbar, inzwischen nur noch marginal vorhanden.
Deshalb nun endlich...
6. Der Versuch, die vielleicht provokante, zumindest Zweifel erweckende Titelfrage „Kirchbau-Stiftung – gibt es nicht Wichtigeres“, durch einige grundsätzliche Überlegungen ausdrücklich zu verneinen
Argumentationshilfe dafür verschafft mir die über dem Portal der Suhler Kreuzkirche grüßende Botschaft: „Gott, den Mitbürgern und der Nachwelt“. Darüber und über mancherlei Wetterleuchten in unserer Welt versuche ich nun ein wenig zu sinnieren.
Sich intensiv um unsere Kirchen zu mühen, eben auch vermittels der KiBa, dafür finden sich diverse orts-, kirchen- und kunstgeschichtliche Rechtfertigungen. Bedeutsamer als alle diese ist aber: Die Kirchgebäude sind dem soli deo gloria gewidmet. Fast allerorten sind sie das bauliche und geistliche opus magnum mit größter Überlieferungsdichte der abendländischen Kulturgeschichte.
Über Jahrhunderte hinweg fungierten die Kirchen als Kulturbringer und als Kristallisationskeime, um die gesiedelt, gewohnt, geliebt, gearbeitet und vor allem geglaubt wurde und weiter wird. Und über alle Zeiten hinweg wurden die Kirchen genutzt und erhalten. Sie sind überwiegend die ältesten Gebäude in unseren Dörfern und Städten. Sie altern nicht, denn sie sind bereits alt. Unter anderem deshalb haben sie kein Verfallsdatum!
Unsere Kirchgebäude sind Zentren des öffentlichen Lebens und fungieren in unserer Welt immer schnelleren Wandels als Ort des Vertrauten, als Scharnier zwischen christlicher Religion und Gesellschaft. Über alle gemeindlichen Bedeutsamkeiten hinaus vermitteln sie von alters her Orientierung und Information, auch Behütetsein. Sie haben die soziale Gemeinschaft und die kulturelle Entwicklung in Deutschland und Europa bleibend geprägt.
Drum sind Debatten um die Erbebewahrung der Kirchen sowie um die Religion indirekt Debatten über die Zukunft des politischen Gemeinwesens und die sie tragenden Fundamente; denn geistige Bindung an die gemeinsame Kultur die Identität prägt unsere Nation.
Wichtiger noch ist mir der Hinweis darauf, dass Kirchen so etwas wie umbautes Wort sind. In ihnen werden durch Wort, zeichenhaftes Handeln, Musik und Bild Antworten auf die Sinnfragen des Lebens gesucht, was sie zu einem genius loci macht. Das ist das Gegenteil zu Immobilien, die wegen vermeintlicher Unrentierlichkeit nach Gebrauch als Altlast entsorgt oder banalen Rentabilitätsüberlegungen von Spekulanten überlassen werden.
Vielmehr wird in den Kirchen jenes von Jesus benannte „Salz“ gesiedet und abgepackt, um auf den Tischen der Welt das „Du sollst“ bzw. „Du darfst nicht“ schmackhaft zu machen. Dies endlich auch mit zunehmender Ausprägung auf die durch uns Menschen gefährdete Schöpfung.
Welche Orientierungshilfe für nie gekannte Freiheit, die wir in Deutschland und Europa leben dürfen, freilich leider nicht selten missbräuchlich. Und wenn in unseren Kirchen davon gepredigt wird, dass wir Christenmenschen freie Herren aller Dinge und niemand untertan, zugleich aber dienstbare Knechte und jedermann untertan sind, dann hat dies die Gewichtung politischer Äußerung im Kirchraum.
Die Kirchgebäude erinnern im Gegensatz zu anderen Bauwerkskategorien wie Burg, Schloss, Fachwerkhaus oder Industriedenkmal die ganze Woche hindurch: Biblische Botschaft und christliche Werte gehören nicht dem Sonntag. Vielmehr müssen sie im Alltag gelebt und - so gut irgend möglich vorgelebt werden.
Also stehen unsere Kirchen schon in ihrer architektonischen Dimension für Weisheiten und vermitteln Bedeutung. Deshalb haben sie Bleibepflicht, auch wenn das Buchhalter heutzutage als unrealistisch tabuisieren! Aber - Buchhalter haben im Gegensatz zu Utopisten noch nie das Rad der Geschichte weitergedreht. Auch die KiBa ist ein Erfolg von Utopisten.
Jede Kirche vor Ort ist für die dort wohnenden und nach Sinn Fragenden die wichtigste im Land und damit unaufgebbar. Obendrein: Was wäre unsere Kulturlandschaft ohne die Würde der Kirchgebäude? Wir haben sie von Müttern und Vätern ererbt, von Kindern und Enkeln geliehen. Deshalb sind sie, einem Generationsvertrag folgend, zu pflegen und zu erhalten; denn jedes Kirchgebäude ist Vermächtnis und Verpflichtung gleichermaßen! Thomas Mann nennt vieldeutig die Bewahrung der gebauten Glaubenszeugnisse ins „Übernützliche“ gesteigerte Denkmalpflege.
Also: Wo Post und Schule, Konsum und Kneipe aus allein wirtschaftlichen Gründen „dicht gemacht“ haben, muss die Kirche im Dorf bleiben, bitteschön auch in der Stadt! Ja es ist schon bemerkenswert, dass gerade diese Formulierung bis an die Stammtische vorgedrungen und Symbolismus unseres Sprachgebrauches geworden ist. Dahinter verbirgt sich doch: Die Menschen leben nicht von Arbeit, Brot und Vergnügen allein. Genau das ist Grundlage des Tätigseins der KiBa.
Dennoch - ein Bewusstsein, dass wir eine Verpflichtung für die Kirchgebäude wahrzunehmen hätten, entfaltet sich nicht per se. Wie erstrebtes Eheglück täglich neu er - liebt sein will, muss Verantwortungsübernahme für die Kirchen immer wieder angestoßen, ja erbeten werden.
In diesem Zusammenhang rücke ich uns jene unbequeme und allgemeingültige Feststellung des Vordenkers Erhard Epplers ins Visier, wonach es uns nicht an Erkenntnissen, häufig aber an der Fähigkeit mangelt, aus unserem Wissen angemessene Schlüsse zu ziehen.
Das resultiert daraus, dass neben dem aktuell Leben bedrohenden Corona-Virus ein anderes, nämlich unser Seelenleben gefährdendes Virus umgeht. Dessen Wirkung zielt auf eine egoistische Sakralisierung des Ich, erodiert den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft und findet in so fatalen Fragestellungen wie „Warum denn ich?“ bzw. „Warum denn ich nicht?“ sein makabres Credo.
Ähnlich bei dem berühmten Ruck, den schon vor Jahren Roman Herzog initiieren wollte. Fast alle dachten, der Bundespräsident hat die anderen gemeint, aber doch nicht mich. Dabei beschrieb schon der große Philosoph aus Königsberg das sich willig in die Pflicht nehmen lassen als hohe Tugend…
Dieses Virus konkurriert unsere Bereitschaft zu gemeinnützigem Tätigwerden, zu Spenden usw., obwohl Artikel 14/2 unseres Grundgesetzes gemahnt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“ Das bedeutet doch nichts anderes als die Wahrnehmung individueller Verantwortung für das Gemeinwohl, als Teilen und dienet einander, was bekanntlich Grundäußerungen unseres christlichen Glaubens sind.
Deshalb werbe ich auch hier flehentlich und herzlich bittend dafür, die segensreich tätige Stiftung KiBa durch Aufnahme einer Fördermitgliedschaft zu unterstützen. Beitrittserklärungen habe ich ausgelegt. Der relativ geringe Monatsbeitrag von 8 € ist, freilich neben sicher manch anderem Spendenengagement wie aktuell für humanitäre Hilfe in der Ukraine, kaum ein Anliegen des Könnens, sondern eher des Überzeugtseins von der Unterstützungswürdigkeit der Stiftung und daraufhin bereitwilligen Wollens. Das „Opfer“ bestünde im Verzicht auf eine gute Flasche Wein pro Monat. Wer, wenn nicht wir?? Dabei weiß ich sehr wohl: Das redet und hört sich leichter dahin als es getan wäre.
Unterstützung für die Kirchbau-Stiftung und damit für die Kirchgebäude zu erbitten ist aus zwei weiteren Gründen angezeigt. Zum einen: Die kleiner gewordenen Kirchgemeinden können ihren Treuhänderpflichten um das Bedeutungskonzentrat Kirchgebäude allein nicht mehr hinreichend nachkommen.
Zum anderen: Unsere Kirchen sind spirituelle Kult-ur-orte und auch Kulturorte, trotz mancherlei digitaler Transformationen. Und ihnen kommt symbolisch die Funktion von Verschiebe- und Versandbahnhöfen, von Wechselstuben und Tankstellen zu. Sie bringen vermittlungswürdige Güter wie barmherzige Liebe, Lebenshoffnung, Solidarität, Dankbarkeit Richtung Gesellschaft auf den Weg. Sogar Demokratieverständnis und Zukunftsverantwortung, zusätzlich herausgefordert durch den unsäglichen die Ukraine überziehenden Krieg.
Dafür stehen zahlreiche biblische Entsprechungen, zum Beispiel „Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ oder „Nehmet einander an, so wie euch Christus angenommen hat“, und zwar brutto. Oder denken wir an das prägende Urbild vom barmherzigen Samariter. Im demütigen Gegenüber zu Gott befördern die Kirchen religiös-ethisch-mitmenschliche Verbindlichkeiten.
Übrigens: Um diese Funktion der Kirchgebäude zu bekräftigen wünschte ich mir an jeder Kirchenausgangstür unübersehbare Schilder mit dem Vermerk: „Nun betreten Sie das Feld Ihres christlichen Handelns!“
Die Kirchen mahnen auch zur Bewahrung der Schöpfung. Wie nichtig wäre all unser fleißiges Bewahren kirchlicher Baudenkmäler, wären wir nicht um die Verhinderung des drohenden ökologischen Kollapses bemüht?? Diese Nachdenklichkeit betone ich umso besorgter, als das globale, ja sogar das kirchliche(!) Gemeinwesen fatalerweise noch immer geneigt ist, aus diesen unübersehbaren Elefanten Mücken zu machen. Der Mensch, die Krone der Schöpfung, mutiert zunehmend zur Dornenkrone der Schöpfung.
Weil alles dies so ist komme ich zu einer weiteren Befund: Neben den Zehn Geboten und dem Vater unser sind unsere Kirchengebäude schätzens-werte Mitgift der Christen für die sich (hoffentlich) immer verlässlicher entfaltende Europäische Union Dies ist ein Kerngedanke unseres verehrten Altbischof Kreß.
Folgerichtig ist, mit unseren Kirchen entsprechend den uns von Jesus ins Bild gerückten Pfunden zu wuchern, sie also nicht lediglich zu bewahren. Dazu gehört, sie als geistliche und geistige Autoritäten zu verehren und über die Gottesdienste hinaus zu nutzen. Natürlich wissen wir: Die Kirche ist offen für alle, aber eben nicht für alles. Grenzen dafür zu definieren, weder fundamentalistisch noch prinzipienlos, ist die Theologie gern behilflich.
Was spräche - selbstverständlich bei Maßgabe der Widmungsverträglichkeit - dagegen, wenn in unseren Kirchräumen auf dem Hintergrund christlicher Botschaft Künstler zu Wort kämen, Schriftsteller „predigten“, Politiker „verkündigten“ und Besucher beköstigt würden, weil Kathedralen auch ein wenig Kaffeedralen geworden wären?
Oder wenn jede Schulklasse einmal im Jahr eine Stunde Unterricht im dem für pädagogische Anknüpfungen reichen Kirchraum hätte, und zwar in Geschichts- und Heimatkundeunterricht, Kunst- und Musikunterricht, nicht zuerst im Religionsunterricht. Warum soll beispielsweise „Am Brunnen vor dem Tore“ nicht einmal von der Orgelempore gesungen werden?! Das umso mehr, wenn über 80% der SchülerInnen noch nie in einem Kirchraum waren, wiewohl das lateinische religio nichts anderes als Bindung bedeutet.
Auch der frühere EKD-Ratsvorsitzende Bischof Huber ermutigte zu solcherart Weiterdenken, wenn er feststellt: „Es ist ein beunruhigender Beitrag zur Selbstsäkularisierung, wenn wir das Nutzungsverhältnis zu unseren Kirchen umdrehen, indem sie wochentags verschlossen sind oder nur als kunsthistorische Dokumente einer vergangenen Zeit wahrgenommen werden, während sie nur am Sonntag für eine Stunde ihrer Widmung entsprechend in Anspruch genommen werden – oder auch nicht einmal dies.“
Obendrein: Öffentlichkeit und öffentliche Hand werden sich umso bereitwilliger für das Bauwerk Kirche einsetzen, wenn dieses auch über den Gottesdienst hinaus umfänglich genutzt wird. Intensivierte Kirchraumnutzung ist die entscheidende Voraussetzung dafür, alle Varianten völlig unerwünschter UM-Nutzungen – welch verharmlosendes Un-Wort! - von Kirchen in Kneipen, Werkstätten oder was auch immer oder gar die ultima ratio des aus Resignation resultierenden Abrisses zu verhindern. Wir dürfen unsere Kirchgebäude nicht voreilig dem Zeitgeist opfern!
Ob uns Jesus bei solcher Herangehensweise nicht auf die Schulter klopfte mit dem Bemerken: Weiter so?! Dieses von mir erahnte „Weiter so“ fände seine Begründung darin, dass bei verantwortungsbewusster Umsetzung meiner vielleicht irritierenden Vorschläge das Kirchgebäude und sein Sakralraum sehr wohl das Bethaus bliebe und eben nicht zur Räuberhöhle verkäme. Zuversichtlich und programmatisch singe ich deshalb über die Weihnachtszeit hinaus: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit…“
Die Kirchen vermitteln dem ora et labora der Menschen seit tausend Jahren Rhythmus und Zäsuren. Bis heute verweisen sie auf unsere Mitverantwortung fürs Morgen, der alten Bauernregel folgend: Ohne dem Sprungbrett Herkunft gibt es keine Zukunft im vieldimensionalen Sinn des „nie wieder“, des „so nicht“ und des „es sei“…
Bleiben wir also nicht lediglich Zuschauer einer Entwicklung, sondern mischen wir uns ein, den im mehrfachen Wortsinn über sich selbst hinausweisenden Kirchgebäuden eine verlässliche Zukunft zu sichern, maßgeblich eben auch vermittels der Stiftung KiBa; denn ihnen kommt eine zukunftsichernde Aufgabe zu. Wer wollte – ich räume ein gegen allen derzeitigen Anschein - ausschließen, dass die Kirche und damit die Kirchengebäude angesichts der sozialen und ökologischen Weltordnung, die de facto eine Welt-un-ordnung ist, erst noch vor ihrer größten historischen Herausforderung stehen?? Fühlen wir der Zeit am Puls, spüren wir, wie zerbrechlich unsere durch Beton, Konsum und Seifenopern von vielerlei Elend und millionenhafter Verzweiflung abgeschirmte Wohlstandswelt ist.
Erhalten wir uns also den Ort Kirche als Jungbrunnen geistlicher und geistiger Erneuerung in Jeremias Sinn: Suchet der Stadt, des Dorfes, der Welt Bestes. Die Kirchbau-Stiftung bleibt behilflich, die Kirche als Stätte für Gottesdienst und für kirchgemeindliche Veranstaltungen zu erhalten, wo immer wieder mit Jesus in Verantwortung vor Gott Vergangenheit aufgearbeitet, Gegenwart diskutiert und über Zukunft nachgedacht wird.
Bitte teilen Sie mit mir die Hoffnung, dass nach uns resümiert werden kann: Die KiBa veränderte die Kirchbau-Welt! Allerdings - wir dürfen „nicht nur“ Kirchen, sondern wir müssen auch Kirche bauen helfen! Gehen wir’s weiter miteinander an! Freilich – an Gottes Segen ist alles gelegen!
Dankbare Verbeugung für Ihr wohlwollendes Zuhören und Mitdenken und - mischen Sie sich bitte willig und engagiert ein, dass diese Visionen nicht zu Illusionen verkommen.
So gehen Sie in Frieden und ziehen Sie, wie dermal einst die Namensgeber dieser Kirche, auf anderem Weg in „Ihr Land“…
Dr. Ulrich Böhme